Gegen 200 Aktionärinnen und Aktionäre sowie Gäste fanden sich am Freitagabend bei prächtigstem Sonnenschein auf Schloss Lenzburg zur Generalversammlung der AZ Medien AG ein, Herausgeberin unter anderem dieser Zeitung. Verleger Peter Wanner durfte allen voran Landammann Urs Hofmann, die Regierungsräte Roland Brogli und Stephan Attiger, Grossratspräsident Markus Dieth, Ständerätin Christine Egerszegi und viele weitere Gäste und Aktionäre begrüssen.

75 Millionen Franken investiert

Die Aktionäre wussten schon aus der Zeitung und aus dem Geschäftsbericht, dass die AZ Medien 2014 mit einem Verlust von 6 Millionen Franken abschliessen mussten. Peter Wanner erläuterte in seiner Präsidialansprache die Gründe. Die AZ Medien haben eine Vorwärtsstrategie eingeschlagen und in den letzten drei Jahren massiv investiert: in TV, Zeitungsdruck und online/mobile-Portale. Wanner: «Insgesamt rund 75 Millionen Franken.» Längerfristig würden sich diese Investitionen ausbezahlen und das Unternehmen stärken, ist Wanner überzeugt. Die Investitionen haben hohe Abschreibungen zur Folge und bedingen auch Anschubfinanzierungen. Man wende eine relativ scharfe Abschreibungspraxis an, so Wanner erläuternd.

AZ-Medien GV: Verlust für zukünftigen Gewinn

AZ-Medien GV: Verlust für zukünftigen Gewinn

Ohne diese massiven Abschreibungen und Rückstellungen wäre das Ergebnis gar nicht so schlecht ausgefallen. Der Betriebs-Cashflow betrug nämlich 25 Millionen Franken, entsprechend 10 Prozent des Umsatzes. Das Betriebsergebnis ist mit 6,3 Millionen Franken positiv. Operativ hat der Konzern also Geld verdient.

Ziel: wieder schwarze Zahlen

Im laufenden Jahr peilen die AZ Medien ein besseres Betriebsergebnis an, um unter dem Strich wieder schwarze Zahlen ausweisen zu können. Wanner: «Das ist auch zwingend nötig, denn der Appetit auf neue Projekte ist uns nicht abhandengekommen.»

Die Aktionäre hiessen Jahresbericht, Jahres- und Konzernrechnung einstimmig gut. Ebenso wurde der Verzicht auf eine Dividende einstimmig akzeptiert. Ein Aktionär hätte sich gefreut, wie er sagte, wenn sich die AZ Medien den NZZ-Druckauftrag geschnappt hätten. Peter Wanner hätte das auch gefallen, aber: «Wir hätten die Kapazität nicht gehabt.» Die neue Druckmaschine in Aarau sei nur eine Ersatzinvestition und sehr gut ausgelastet.

«Träfe KMU`s im Mark»

Abschliessend warnte Wanner vor der Erbschaftssteuerinitiative. Sie würde viele KMU`s, insbesondere grosse Familienunternehmen, im Mark treffen: «Sie ist brandgefährlich, ja existenzgefährdend.» Es sei eben nicht so, dass grössere Unternehmen genug «Kohle» haben, um «einfach so» 20 Prozent Erbschaftssteuer zu zahlen.

Er erläuterte dies an einem fiktiven Beispiel. «Ähnlichkeiten mit real existierenden Unternehmen sind rein zufällig», so Wanner schmunzelnd. Seine Beispielfirma hat einen Verkehrswert von 250 Millionen Franken, die Eigentümer-Familie hält daran rund 200 Millionen Franken. Zieht man den Freibetrag von 50 Millionen ab, blieben 150 Millionen, zu besteuern zu 20 Prozent. Das macht 30 Millionen. Wanner rhetorisch: «Können Sie mir sagen, woher die Familie das Geld nehmen sollte, wenn sie es grösstenteils in der Firma hat, wie bei Unternehmen dieser Grösse üblich?»

Es ginge nur mit einem Teilverkauf von Aktiven oder mit einem radikalen Investitionsstopp, mit Sparmassnahmen an allen Ecken und Enden, so Wanner. Doch eine Unternehmung, die nicht mehr investiert, gefährde sich. Es stünden also tatsächlich im grossen Mass Arbeitsplätze auf dem Spiel.