Klaus Schwab hat es allen Konferenz-Profis wieder einmal gezeigt. Zu seinem World Economic Forum (WEF) in Davos – eigentlich eine private Veranstaltung ohne politisches Mandat – reist dieses Mal der amerikanische Präsident Donald Trump an. Die Zusage erfolgte kurzfristig und überraschend, aber er kommt, und das zählt. Selbst unter den meisten Mitarbeitenden in der weitläufigen WEF-Zentrale hoch über dem Genfersee kursierte die Nachricht erst seit Dienstag. Als hätten die Angestellten in den Grossraumbüros nicht schon genug zu tun, wenn jeweils nach Weihnachten letzte Hand an das jährliche Stelldichein der globalen Eliten mit rund 3000 Teilnehmern gelegt werden muss, wirbeln sie jetzt noch mehr umher, um Trumps grossen Auftritt einzubauen.

Eigentlich hatte Paul Smyke, Schwabs wichtigster Mann für Davos im New Yorker Büro des Forums, eine normale Regierungsdelegation nebst den üblichen Kongressabgeordneten gemeldet. Aus Sicht des Experten für internationale Beziehungen und Verbindungsmannes des WEF zu Politikern in den USA und Kanada wäre dies schon ein Fortschritt gewesen, denn 2017 hatte der designierte Präsident nur eine drittklassige Delegation geschickt, darunter den skandalumwitterten Anthony Scaramucci, im vergangenen Jahr kurzzeitig Trumps designierter Kommunikationsdirektor.

Immerhin jedoch hatte Smyke den WEF-Gründer begleiten können, als dieser am 12. Dezember 2016 dem neu gewählten Präsidenten im Trump-Tower in New York seine Aufwartung machte. Schwab war einer der ersten privaten Besucher, die Trump nach seinem Wahlsieg empfing. Was wieder einmal zeigt: Erfolgreiches Netzwerken gründet auf frühem Handeln, Beharrlichkeit und Fleiss. Viele von Schwabs Vertrauensleuten wirken zusätzlich als Multiplikatoren, um weitere Wunschgäste für Davos zu gewinnen. Und hin und wieder sagt Schwab einem zögerlichen Politiker, der oder jene andere Staatschef habe schon zugesagt, da könne sein Gegenüber doch nicht fehlen. Zusammen mit der prominenten Plattform, die er bietet, zeigt dies meist Wirkung. Bei Trump war ein solcher Hinweis vielleicht sogar überflüssig. Davos 2017 musste diesem zu denken geben: Auf jenem WEF zog Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping alle Aufmerksamkeit auf sich.

Karikatur: Silvan Wegmann

Karikatur: Silvan Wegmann

Fehlende Dialogfähigkeit

Nicht zu vergessen: Davos mit seiner finanzkräftigen Teilnehmerschar eignet sich stets hervorragend zur Investorenwerbung. Dem Mann, der Amerika an vorderste Stelle setzt, ist dies sicher nicht entgangen. Dies könnte ein Grund sein, weshalb der Ego-Mann aus Washington Schwabs Einladung angenommen hat. Ausserdem ist das WEF in seiner Heimat gut vertreten. Nach der zweiten Zentrale in New York hat das Forum vergangenes Jahr in San Francisco ein Forschungszentrum gegründet, das sich den Folgen der Vierten Industriellen Revolution widmet. Und zur US-Verbindung der Organisation gehört, dass Schwab nach dem Terroranschlag vom 11. September 2001 in einem Akt der Solidarität das darauffolgende WEF kurzfristig in New York abhielt.

Angesichts von Trumps Zusage ging beinahe unter, dass am selben Tag auch Indiens Premier Narendra Modi seine Teilnahme in Davos ankündigte. Unter den 60 Staats- und Regierungschefs vertritt er immerhin die bevölkerungsstärkste Demokratie der Welt. Dies nährt Befürchtungen in- und ausserhalb des WEF, die diesjährige Veranstaltung könnte zu einer «Trump-Show» verkommen. Besonders pikant ist, dass auf dem letztjährigen WEF die Distanz der dort versammelten Freunde der Globalisierung zu Trump mit Händen zu greifen war. Jetzt kommt ausgerechnet der Mann, der wenig von Kooperation und Freihandel und viel von nationaler Vorherrschaft hält. Auch Schwabs stets geforderte Dialogfähigkeit scheint beim Präsidenten nicht gerade stark ausgeprägt. Rätsel über Rätsel. Vielleicht helfen die bilateralen Meetings des Business-Freundes Trump, die den offiziellen Auftritt umranken könnten. Immerhin nutzen nach aller Erfahrung auch Staatenlenker die kurzen Wege in Davos zu anderen Entscheidungsträgern in Politik und Wirtschaft gerne.

WEF-Momente für die Ewigkeit

Mit Donald Trump kommt zum zweiten Mal in der Geschichte des Weltwirtschaftsforums ein amtierender US-Präsident nach Davos. Bill Clintons Visite im Jahr 2000 bleibt unvergessen – doch es war nicht der einzige Moment, der einen Hauch von Geschichte verströmte. Ein Rückblick in fünf Bildern. (pmü)