Verkehrskonzept Ennetbaden

Verkehrskonzept unter Beschuss

Ennetbaden will Schleich- und Durchgangsverkehr reduzieren. Mit der Schliessung der Schlösslistrasse geht die Gemeinde für gewisse Anwohner zu weit. Auch die geschlossene Schiefe Brücke bleibt ein Thema.

Markus Dasen

Vor einem Monat hat der Gemeinderat die Schliessung der Schlösslistrasse ab Oktober für zwei Jahre veröffentlicht. Das Strässchen ist die direkte Verbindung vom Kreisel Landvogteischloss zum Gemeindehaus und damit der kürzeste Weg für Bewohnerinnen und Bewohner des oberen Teils Ennetbadens.

Während Anwohner des Schlössliquartiers froh sind über den Entscheid, ärgern sich zwei Ennetbadenerinnen vom Geissberg. Sie sind unzufrieden mit der Verkehrspolitik ihrer Gemeinde und äussern sich stellvertretend für Gleichgesinnte.

Madeleine Saxer ist eine der beiden Kritikerinnen. Sie beklagt sich: «Auf dem Heimweg ist es logisch, dass ich durch die Schlösslistrasse fahre. Die Verlagerung auf die Sonnenbergstrasse ist unfair und die Massnahme schlicht eine Blockade mehr.» Die versuchsweise Schliessung hat zu einer Einsprache geführt, in der sie als «ökologischer und ökonomischer Unsinn» bezeichnet wird.

Der Einsprecher, der anonym bleiben will, weist darauf hin, dass sich der Verkehr beim Rotlicht vor der Abzweigung der Oberdorfstrasse stauen würde. Und: «Beim Hochfahren durch die Oberdorfstrasse wird mehr Treibstoff verbraucht.» Die einseitige Schliessung Richtung Hochbrücke sei als Alternative vertretbar.

Die Gefahr eines Rückstaus

Ennetbadens Gemeindeschreiber Anton Laube verteidigt die Schliessung der Schlösslistrasse: «Die Oberdorfstrasse als Hauptzufahrt ins Dorf ist gewollt und gehört zum Verkehrskonzept. Der innerdörfliche Verkehr soll auf den Sammelstrassen abgewickelt werden.»

Allerdings räumt auch er Zweifel des Gemeinderats ein: «Es besteht die Gefahr eines morgendlichen Rückstaus des Verkehrs bis zur Schule.» Verkehrszählungen in der Oberdorfstrasse und in der als Ausweichroute dienenden Höhtalstrasse würden während der zweijährigen Versuchsphase Aufschluss geben.

Rebbergstrasse bleibt Einbahn

Auch die von Ehrendingen her seit vielen Jahren geschlossene obere Rebbergstrasse ist für Anwohner des oberen Teils von Ennetbaden ein Ärgernis. Das Strässchen wurde vor über 20 Jahren zur Einbahn gemacht, um den Durchgangsverkehr zur Badener Industrie zu verhindern.

«Wenn wir in Ehrendingen einkaufen oder zur Post gehen, müssen wir auf dem Rückweg die Ehrendingerstrasse runterfahren, um beim Schützenhaus wieder kehrtum zu machen», sagt Saxers Nachbarin Monique Maurer. Beide streben eine Öffnung für Zubringer an.

«Für die Gemeinde ist die limitierte Öffnung in den nächsten fünf bis zehn Jahren kein Thema», sagt Laube. So lange brauche es, bis die Wirkungen der bisherigen Massnahmen im Zentrum beurteilt werden könnten. Der Gemeindeschreiber spricht auch an, dass das Kreuzen nicht überall möglich sei und eine Öffnung für Zubringer kontrolliert werden müsste, um neuen Schleichverkehr zu minimieren. Probleme, die gemäss den Gegnern der Schliessung lösbar sind.

Schiefe Brücke ist ein Thema

Es gibt einen dritten wunden Punkt, den die beiden Nachbarinnen vom Geissberg ansprechen. Seit der Schliessung der Schiefen Brücke und der Eröffnung des Goldwandtunnels im November 2006 ist es ruhig im Ennetbadener Zentrum. Kein Durchgangsverkehr braust mehr durch die Badstrasse oder über die Schiefe Brücke nach Obersiggenthal oder Baden.

Die Kundenfrequenz der noch wenigen verbliebenen Geschäfte im Ennetbadener Zentrum ist minimal. Für die Geschäftslokale im neuen «Zentrum 1» muss noch immer nach Käufern gesucht werden.

«Die Schiefe Brücke muss für Zubringer geöffnet werden. Das tut dem aussterbenden Gewerbe gut. Zudem können wir wieder ohne Umwege über Hoch- oder Siggenthaler Brücke nach Baden fahren», sagt Saxer. Obwohl die Schliessung der Schiefen Brücke durch einen Entscheid des Verwaltungsgerichts an die Eröffnung der Siggenthaler Brücke gekoppelt ist, wäre auch der Badener Stadtrat bereit für eine limitierte Öffnung.

«Wir sind offen für einen gewissen Binnenverkehr, beispielsweise bis zum Bahnhof. Voraussetzung ist aber die Einigkeit der Gemeinden. Erst dann können wir Varianten diskutieren», sagt Badens Stadtammann Stephan Attiger. Tatsache sei aber, dass keine Einigkeit herrsche und die Gespräche abgebrochen wurden.

«Glaubwürdigkeit auf dem Spiel»

Laube gibt zwar zu, dass die totale Sperrung Nachteile hat. Umwege über Hoch- und Siggenthaler Brücke und Mehrverkehr auf dem «Satelliten-Bahnhof» Limmatau sowie die geringe Kundenfrequenz des verbliebenen Gewerbes müssten aber vorläufig in Kauf genommen werden.

Zuerst soll die Entwicklung im als Ruhezone geplanten Bäderquartier verfolgt werden. Und: «Der Gemeinderat hat zwanzig Jahre für die Schliessung der Schiefen Brücke gekämpft. Dass er zweieinhalb Jahre danach nicht schon wieder an eine neue Lösung denkt, hat auch mit politischer Glaubwürdigkeit zu tun.»

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