Verhüllungsverbot
Islamischer Zentralrat ermutigt Frauen, den Nikab weiterhin zu tragen - und sammelt Geld für die Bussen

Nach dem Ja zum Verhüllungsverbot kündigt der Islamische Zentralrat der Schweiz an, das Abstimmungsergebnis juristisch anzufechten - bis vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Strassburg. Der Zentralrat hat bereits ein Spendenkonto eingerichtet.

Kari Kälin
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Ferah Ulucay ist Generalsekretärin des Islamischen Zentralrats der Schweiz.

Ferah Ulucay ist Generalsekretärin des Islamischen Zentralrats der Schweiz.

Bild: Adrian Reusser/ Keystone

Der Islamische Zentralrat der Schweiz deutet das Ja zum Verhüllungsverbot als islamophoben Akt. Dieses werde auch in der Schweiz kaum dazu beitragen, Radikalisierungstendenzen – sei es in muslimischen Milieus – oder auf Seiten der Rechtsnationalen abzuschwächen, sagte Sprecher Qaasim Illi. «Das Resultat trifft mich tief. Als in der Schweiz geborene Muslimin habe ich das Gefühl, in diesem Land nicht willkommen zu sein», ergänzte Generalsekretärin Ferah Ulucay. Sie sprach von einem« schwarzen Sonntag für die Schweiz».

Der Zentralrat, ein Verein mit Anziehungskraft für Radikale, ermutige die Musliminnen, den Nikab nicht abzulegen. Er hat bereits ein Spendenkonto eingerichtet, um damit die Bussen für Nikabträgerinnen zu begleichen. Das gesammelte Geld will der Zentralrat auch für einen juristischen Kampf gegen das Verbot einsetzen. Er kündigte an, die neue Verfassungsbestimmung auf allen Instanzen anzufechten, notfalls vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Strassburg. Dieser wies die Beschwerden gegen das Verhüllungsverbot in Frankreich und Belgien ab. Eine Vertreterin des Zentralrats sagte aber, der Gerichtshof sei nicht an frühere Entscheide gebunden.