Mauerfall
Verhandlungen aus Stärke

Reagan-Fans sind überzeugt: Mit seiner gewaltigen Aufrüstung ebnete der Kalte Krieger den Weg für 1989. Erfunden hat die Politik der Stärke aber natürlich Churchill («We arm to parley»). Und einer der konsequentesten Churchillianer war erstaunlicherweise Leonid Breschnew. Nach der Demütigung in der Kubakrise von 1962 rüstete der Kreml massiv auf. 1969 erreichte die Sowjetunion erstmals strategische Parität mit den USA. Nun konnte Breschnew sich seinem Hauptziel widmen: der Entspannungspolitik.

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Leonid Breschnew

Leonid Breschnew

Keystone

Christian Nünlist

Breschnew gab zwar zu, dass er «keine Ahnung von Aussenpolitik» habe. Dass er in einem Politbüro voller Hardliner der wichtigste Verfechter der sowjetischen Détentepolitik wurde, war daher eine grosse Überraschung. Trotz seiner intellektuellen Mediokrität erkannte Breschnew, dass ihm die Aussenpolitik eine perfekte Bühne für persönliche Diplomatie bot.

Buch- und Weblinks Vladislav Zubok, A Failed Empire (Chapel Hill, 2007). Der beste Kenner der sowjetischen Aussenpolitik im Kalten Krieg hat ein hervorragendes Buch geschrieben, mit zahlreichen Enthüllungen und äusserst treffenden Einschätzungen der Sowjetführer Stalin, Chruschtschow, Breschnew und Gorbatschow. Ein Videoausschnitt aus der sehenswerten "CNN Cold War"-Serie über Carter und Breschnew.Hier klicken für Video

Buch- und Weblinks Vladislav Zubok, A Failed Empire (Chapel Hill, 2007). Der beste Kenner der sowjetischen Aussenpolitik im Kalten Krieg hat ein hervorragendes Buch geschrieben, mit zahlreichen Enthüllungen und äusserst treffenden Einschätzungen der Sowjetführer Stalin, Chruschtschow, Breschnew und Gorbatschow. Ein Videoausschnitt aus der sehenswerten "CNN Cold War"-Serie über Carter und Breschnew.Hier klicken für Video

Am 29. Mai 1972 unterzeichneten Nixon und Breschnew im Kreml die ersten wichtigen Abrüstungsverträge Salt I und ABM. Breschnew hatte erreicht, was Moskau seit 1945 angestrebt hatte: Amerikas Anerkennung, dass die UdSSR eine atomare Supermacht war.

1968 hatte der «zögerliche Interventionist» (Wladislaw Zubok) bewiesen, dass er nicht davor zurückscheute, militärisch zuzuschlagen. Das machte ihn später als Entspannungspolitiker weniger angreifbar: 1972 argumentierte Breschnew denn auch an einer Politbüro-Sitzung: «Ohne die Invasion in Prag hätte es keinen Brandt in Deutschland, keinen Nixon in Moskau und keine Détente gegeben.»

Mit der KSZE-Schlussakte von 1975 gelang es Breschnew auch, die Nachkriegsgrenzen in Europa und die Teilung Europas zu zementieren. Als er 1976 einen Schlaganfall erlitt, der ihn bis zu seinem Tod 1982 politisch handlungsunfähig machte, war das internationale Prestige der Sowjetunion so hoch wie nie zuvor. Aber die KSZE-Schlussakte sollte sich schon bald als Pyrrhus-Sieg erweisen - als Sargnagel des Kommunismus.

Wir erinnern mit einer 15-teiligen Artikelserie an das "andere 9/11" - an den 9.11.1989 und stellen 15 Wegbereiter des Wende- und Wunderjahrs 1989 vor - politische Akteure, die unserer Meinung nach einen zentralen Beitrag geleistet haben, dass der Kalte Krieg nach 45 Jahren zu Ende ging - und zwar auf die Art und Weise zu Ende ging, wie er zu Ende ging, nämlich weitgehend friedlich und ohne Blutvergiessen.

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