Verfahren gegen Milliardär Stephan Schmidheiny in Turin begonnen

Der Schweizer Milliardär Schmidheiny

Der Schweizer Milliardär Schmidheiny

Vor Hunderten Menschen hat in Turin die Vorverhandlung im Verfahren gegen den Schweizer Milliardär Stephan Schmidheiny und den belgischen Baron Jean Louis de Cartier begonnen. Ihnen droht ein Prozess wegen Asbests in italienischen Eternit-Fabriken.

Die beiden Ex-Besitzer von vier Asbest-Fabriken der Eternit AG (Italien) sollen Sicherheitsmassnahmen am Arbeitsplatz unterlassen haben und darum für zahlreiche asbestbedingte Krankheiten und Todesfälle verantwortlich sein. Ihnen wird zudem vorgeworfen, sie hätten vorsätzlich ein Unglück ("disastro doloso") verursacht.

Schmidheiny und de Cartier sollen sich in 2889 Fällen für die Krankheit ehemaliger Mitarbeiter verantworten, forderte Staatsanwalt Raffaele Guarinello vor Gericht.

Dabei gehe es um Arbeiter, welche zwischen 1973 und 1986 in den italienischen Eternit-Werken beschäftigt waren. Es handelt sich um das Jahr der Übernahme der italienischen Fabriken durch de Cartier und Schmidheiny sowie das Jahr des Konkurses der italienischen Werke.

Eine Richterin muss nun entscheiden, ob die Voraussetzungen für einen Prozess gegeben sind. Wann die Richterin entscheidet, ist offen.

Sollte es zum Prozess kommen, droht den beiden Unternehmern jeweils eine Haftstrafe von bis zu 13 Jahren, wie einer der Opferanwälte, Sergio Bonetto, sagte. Bonetto geht nach eigenen Angaben davon aus, dass ein solcher Prozess zwischen acht und zehn Jahren dauern könnte.

Am ersten Tag der Vorverhandlung wurde der Turiner Justizpalast förmlich überrannt. Bereits vor dem Beginn hatten sich Hunderte von Ex-Eternit-Mitarbeitern aus Italien, aber auch aus der Schweiz, Frankreich und Belgien, sowie Gewerkschafter vor dem Gericht versammelt. Einige rollten Spruchbänder mit dem Slogan "Eternit - Schluss mit dem Massaker!" aus.

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