Fischbach-Göslikon
Verein kämpft für «verträgliche Starkstromleitung»

Mit Herzblut kämpft der Verein «Verträgliche Starkstromleitung Reusstal» für eine Erdverkabelung in den Gemeinden Niederwil und Fischbach-Göslikon. Falls nötig will er alle Rechtsmittel ausschöpfen.

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Starkstromleitung

Starkstromleitung

Aargauer Zeitung

Von Lukas Schumacher

Das Ausbauprojekt der Stromübertragung ist noch nicht eingereicht. Längstens bezogen sind indes die Positionen. Auf der einen Seite pocht der Stromkonzern Axpo auf eine leistungsfähigere Starkstrom-Freileitung mit neuem Trassee, Drahtseilen für 380 000 Volt und gut 80 Meter hohen Masten. Auf der anderen Seite steht der Verein «Verträgliche Starkstromleitung Reusstal» mit knapp 200 Mitgliedern. Der Verein strebt eine Erdverkabelung auf der 3 Kilometer langen Etappe des Gemeindebanns Niederwil und Fischbach-Göslikon an.

Kämpferische Töne prägten die von 50Personen besuchte erste Generalversammlung des Vereins in der Mehrzweckhalle Fischbach-Göslikon. Laut Präsident Alois Waser sprechen nicht nur gesundheitliche und landschaftliche Aspekte für eine unterirdische Lösung: «Die Erdverkabelung ist technisch absolut machbar, sie ist finanzierbar und obendrein wirtschaftlicher.» Wirtschaftlicher, weil der Stromverlust bei Bodenleitungen erwiesenermassen um das Drei- bis Vierfache geringer ausfalle als bei Luftleitungen. Stromverschwendung, verursacht durch eine veraltete Technik, sei in Zeiten ständiger Stromspar-Appelle äusserst fragwürdig.

Alois Waser machte deutlich, dass man das in Bälde erwartete oberirdische Axpo-Projekt mit allen zur Verfügung stehenden Rechtsmitteln bekämpfen werde. «Unser Weg könnte lang und steinig werden. Abschrecken lassen wir uns dadurch nicht.»

Verbale Unterstützung erhielt der Freiämter Verein vom Freiburger Nationalrat Jean-François Steiert, dem Präsidenten des nationalen Trägervereins HSUB (Hochspannung unter den Boden). «Wenn wehrhafte kleine Davids wie euer Verein gemeinsam auftreten, können sie gegen Goliath, die mächtige Stromlobby, sehr wohl einiges ausrichten», sagte Steiert an der Versammlung in Fischbach-Göslikon. Die Zeit arbeite für die Anhänger der zeitgemässen Bodenverkabelungstechnik. Deren Argumente würden bei Behörden und Politikern aller Parteien nicht mehr ungehört verhallen.

Steiert prangerte «die in Form und Umfang längst überholte Hochspannungsnetz-Planung aus den Siebziger- und Achtzigerjahren» an. Dass die Umsetzung der alten Planung auf Kosten der betroffenen Bevölkerung und der Landschaften ausfallen solle, sei absurd.

Im ersten Jahr seines Bestehens erwirtschaftete der Verein ein kleines Plus von rund 7000 Franken. Dieses Pölsterchen wird rasch aufgebraucht sein, wenn die sich anbahnenden rechtlichen Auseinandersetzungen beginnen. Ein vorrangiges Ziel der Vereinsverantwortlichen lautet denn auch: Mittelbeschaffung, Spenden akquirieren, neue Mitglieder werben. Dies im Bewusstsein, «dass die Finanzmittel der Axpo nahezu unerschöpflich sind». Daher mache ein vergleichsweise bescheidenes «Kriegskässeli» gewiss Sinn, betonte die Vereinsspitze. Im Vereinsbudget 2010 ist denn auch eine erste Tranche für Anwaltskosten aufgeführt, ein Betrag von 2000 Franken.

Am Apéro nach der Generalversammlung wurde lebhaft diskutiert. Angesprochen auf die Frage, weshalb die Stromkonzerne unbeirrt auf Freileitungen setzen, meinte ein Fachmann: «Freileitungen können beim Stromtransport in der Nacht unbemerkt stark überbelastet werden, quasi bis die Drähte glühen. Bei Erdleitungen ist dies nicht möglich. Die Kabel im Boden würden beschädigt.»

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