Gemeindeversammlung

Verdächtig ruhige Budgetgemeindeversammlung in Kappel

Gemeindepräsident Kurt Bär und Gemeindeschreiberin Brigitte Keusch (rechts) bedanken sich bei der abtretenden Gemeinderätin Simone Müller (links) für die geleistete Arbeit im Dienste der Öffentlichkeit. (Bild Martin Platter)

Gemeindeversammlung Kappel

Gemeindepräsident Kurt Bär und Gemeindeschreiberin Brigitte Keusch (rechts) bedanken sich bei der abtretenden Gemeinderätin Simone Müller (links) für die geleistete Arbeit im Dienste der Öffentlichkeit. (Bild Martin Platter)

Bei gleich bleibenden Steuerfüssen wurden alle Budgets der Kappeler Güter gutgeheissen. Diskussionen entfachten sich lediglich wegen der Emissionen der neuen Holzschnitzelheizung, die offenbar bereits einen Defekt hatte. Deren Bauabrechnung lässt weiterhin auf sich warten.

Von Martin Platter

Nur 46 Stimmberechtigte haben am Freitagabend der Kappeler Gemeindeversammlung beigewohnt. Alle Budgets 2010 bewegen sich grosso Modo im Rahmen des Vorjahres. Das der Politischen Gemeinde wird voraussichtlich mit einer Kostenüberschreitung von 115000 Franken enden. Gemeindepräsident Kurt Bär führte das primär auf drei Faktoren zurück: Weniger Gemeindesteuern (- 70000 Franken), mehr Finanzausgleich (+ 224000 Franken) und mehr Abschreibungen (+ 30000 Franken). Das Plus an Abschreibungen wurde vorgenommen, weil der Gemeinderat plant, im Haus zur Mühle eine Wohnung einzubauen, was voraussichtlich Investitionen von rund einer halben Million Franken auslösen wird. Das Geschäft werde an einer anderen Gemeindeversammlung unterbreitet, stellte Bär in Aussicht, worauf das Budget anstandslos angenommen wurde. Auch die Statutenänderungen von Sicherheits-Zweckverband Albis und Spital-Zweckverband wegen der neuen Kantonsverfassung wurden diskussionslos gutgeheissen. Neu gilt auch in diesen Gremien Initiativrecht und fakultatives Referendum, wenn alle übrigen Zweckverbandsgemeinden im Bezirk den Statutenänderungen zustimmen.

Primarschule mit Ertrag

Wie an der Versammlung vor einem Jahr gab Primarschulpräsident Res Herren abermals den Rückzug der traktandierten Baukostenabrechnung für die 2007 erstellte Holzschnitzelheizung bekannt. Die Rechnungsprüfungskommission habe die Primarschulpflege zu diesem Schritt bewogen, sagte Herren ohne weitere Informationen zu liefern. «Die Unterlagen der Schulpflege waren zu lückenhaft, als dass sie eine seriöse Prüfung der Bauabrechnung in der vorgegebenen Zeit zugelassen hätten. Jede Frage, die wir stellten, warf zwei neue auf», sagte Rechnungsprüfungskommissionspräsident Bernd Ingold auf Anfrage des «Anzeigers».

Damit war das Geschäft an der Versammlung aber nicht vom Tisch. Ein Anwohner regte sich über schwarze Rauchemissionen auf und stellte die Frage, wann die Holzschnitzelheizung endlich ordnungsgemäss laufe. Dabei erfuhr das Stimmvolk beiläufig, dass es an der neuen Anlage offenbar zu einem Wassereintritt bei der Schnitzelzufuhr gekommen war. Das hatte die Folge, dass feuchte Schnitzel verbrannt wurden, was mehr Rauch erzeugte. Da mit der Heizanlage auch das Warmwasser für Schulhaus und den Wärmeverbund aufbereitet wird, entstanden die Rauchemissionen auch während des Sommers, was einige Gemüter erhitzte, da die Fenster in der Nachbarschaft während der warmen Monate geschlossen bleiben mussten.

Ungebührendes Verhalten

Anstatt sich dafür zu entschuldigen, echauffierte sich Bauvorsteher Ueli Wüest für ein Behördemitglied ungebührend und liess sich während der Versammlung auf ein Wortgefecht mit dem Votanten ein. Wüest sagte, dass die Rauchentwicklung der Holzschnitzelheizung normal und der Defekt behoben sei. Damit gab sich der Anwohner aber nicht zufrieden und machte seinem Unmut noch in einem anderen Belang Luft. Weil am Rande des Sportplatzes beim Schulhaus Bäume gerodet worden seien, habe er nun in seinem Garten mit «fliegenden Bällen» zu kämpfen; nicht während der Schule, sondern vor allem abends und an Wochenenden, wenn Erwachsene auf dem Platz spielten. Seine diesbezüglichen Briefe an die Schulpflege seien jedoch unbeantwortet geblieben.

Das Budget der Primarschule wurde zur Nebensache. Es schliesst bei einem Aufwand von 1,526 Millionen Franken mit einem voraussichtlichen Gewinn von knapp 145000 Franken. Gemäss Herren mussten die Zahlen im Nachhinein nochmals angepasst werden, weil die Annahmen der Behörde bezüglich Gemeindesteuern, Finanzausgleich und Abschreibungen für die Holzschnitzelheizung nicht stimmten. In der Abstimmung wurde Voranschlag dennoch diskussionslos gutgeheissen bei drei Enthaltungen.

Zwei Vakanzen

Auch Herren bedankte sich für die Annahme der neuen Gemeindeordnung. Dabei hiess der Souverän die Verkleinerung der Behörde von sieben auf fünf Mitglieder gut. Bei den kommenden Wahlen wollen sich Herren, Finanzvorstand Philippe Spoerry und Christian Plüss (zuständig für Schule) nochmals zur Verfügung stellen. Bauvorstand Wüest, Manuela Jauk-Boog (die offenbar bereits aus der Gemeinde weggezogen ist), Aktuarin Sandra Brunner und Nicole Berger (zuständig für Schüler) treten zurück. Es gilt also zwei Chargen neu zu besetzen. Zum bevorstehenden Schulhaus Um-/Neubau sagte Herren, dass eine Kommission, unter anderen mit dem Affoltemer Ingenieur Bozzola und Architektin Schneebeli, an der Arbeit seien. Weitere Informationen erfolgten im Januar.

Kürzer verlief die Versammlung der reformierten Kirchgemeinde, die von Präsident Ueli Buri geleitet wurde. Finanzvorsteher Fritz Steinmann unterbreitete den 33 Stimmberechtigten einen «Voranschlag, der im Rahmen des Vorjahres liege.» Bei 202753 Franken Aufwand schliesst das Budget voraussichtlich mit einem Aufwandüberschuss von 5700 Franken, womit das Eigenkapital auf 109138 Franken sinken würde. Als grösseres Projekt stehe im Sommer die Renovierung der 1963 gebauten Kirchenorgel bevor, die die Gemeinde 25000 Franken kostet. Weitere 25000 Franken steuere der Kanton bei. Der Voranschlag wurde ohne Wortmeldung angenommen.

Ueli Buri informierte, dass per Ende Legislatur Steinmann und Esther Zürcher aus dem Gremium ausscheiden werden. Die neue Kirchenordnung werde an einer separaten Versammlung vorgelegt. Zum Schluss forderte Buri die Anwesenden auf, die Adventsfenster in der Gemeinde zu besuchen.

Informationen und eine Verabschiedung

Im Anschluss an den offiziellen Teil der Gemeindeversammlung verabschiedete Gemeindepräsident Kurt Bär Ratsmitglied Simone Müller. Zwölf Jahre habe sie im Gremium «sehr kompetent» gedient, sagte Bär in seiner Laudatio und überreichte Müller zum Dank einen Blumenstrauss und einen Feriengutschein. Müller bedankte sich ihrerseits und bezeichnete ihre Arbeit als Gemeinderätin als «lehrreich».
Tiefbauvorstand Franz Gräzer berichtete von ersten Erfahrungen mit der Schneeräumung in diesem Jahr und bat die Grundbesitzer ihre Sträucher an den Strassen so weit zurückzuschneiden, dass sie das Pflügen nicht mehr behinderten. Bär bedankte sich bei den Stimmberechtigten für die wuchtige Annahme der neuen Gemeindeordnung anlässlich der Urnenabstimmung Ende November. Zum Abschluss machte er auf die Neueröffnung des «Maxi»- Marktes in Uerzlikon aufmerksam und übergab das Wort Landi-Albis-Präsident Walter Haldemann, der nochmals den Werdegang der Dorfladensanierung nachzeichnete und die Anwesenden zu einem Besuch aufforderte.

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