Es ist gar nicht so lange her, da galt in vielen Klassenzimmern und auf Pausenplätzen die eiserne Regel: Handy aus! Klingelt es trotzdem, wird das Smartphone eingezogen und erst nach Unterrichtsschluss wieder ausgehändigt. Doch Schulen und Kantone rücken zunehmend von dieser Haltung ab, zuletzt lockerte Zürich das Verbot: Neu sollen Lehrer entscheiden, ob und wie das Smartphone zum Einsatz kommt – denn Handy und Tablet werden künftig Teil des Unterrichts.

Für Lehrerpräsident Beat Zemp ist das der richtige Weg. Erstens, weil die Kinder in der Schule mehr über die Chancen und Gefahren des Internets lernen. Zweitens, weil die Lehrkräfte in ihrer Kompetenz gestärkt würden. «Ein striktes Verbot ist schlicht nicht zukunftsfähig.» Zemp will neuere Technologien wie das iPad einsetzen. «In wenigen Jahren ist ein Tablet so essenziell wie heute ein Etui.»

Der Schweizer Lehrerverband unterstützt deshalb die «Bring your own device»-Strategie. Jeder Schüler soll sein eigenes Gerät in den Unterricht mitnehmen. Das sei am günstigsten. Wer allerdings keines hat, darf ein Gerät der Schule benutzen. Natürlich müsse man dabei die Schulstufe berücksichtigen. Gerade bei jüngeren Kindern gelte es, die Bildschirmzeit kurz zu halten, heisst es beim Lehrerverband.

Vier von fünf Dreizehnjährigen haben ein Handy

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Snapchat statt Unterricht?

Dass mit dem gelockerten Umgang vermehrt Probleme auftauchen, glaubt Zemp nicht. Schon heute stünden in allen Schulen Computer, mit denen Kinder im Internet surfen könnten. Wichtig sei, Schülern den richtigen Umgang beizubringen. Bedenken, die Kinder könnten sich im Unterricht mit Snapchat oder anderem beschäftigen, kann Zemp nachvollziehen, gibt aber zu bedenken: «Auch im konventionellen Unterricht ist keine komplette Kontrolle möglich.» Softwares, auf denen die Lehrer alle Bildschirme der Schüler gleichzeitig einsehen könnten, wären allerdings eine Möglichkeit.

Ohnehin sehen Schulen die Digitalisierung als Chance. Neue technische Hilfsmittel erlauben Lehrern, grössere Klassen individuell und effizient zu unterrichten. Das ist umso wichtiger, als die Schülerzahlen wieder steigen.