Niemand wusste von den perversen Neigungen des Behindertenbetreuers Hansjürg S, der in mindestens 122 Fällen sexuellen Missbrauch an Behinderten begangen haben soll. Immerhin einigen Heimleitern waren jedoch sein mitunter ausfälliger Umgang mit Heimbewohnern und seine zwei Entlassungen bekannt.

Der Berufsverband der Sozialpädagogen Avenir Social fordert nun «die Einführung eines auf Bundesebene geregelten Berufsregisters», in dem inadäquates Verhalten von Behindertenbetreuern systematisch erfasst werden soll. «Ich glaube, nach so einem Fall können wir nicht sagen, dass ein Berufsregister nicht sinnvoll wäre», sagt Avenir-Social-Geschäftsleiter Olivier Grand. Als inadäquates Verhalten sollen laut Grand beispielsweise psychischer Missbrauch oder nicht strafrechtlich geahndete Vorfälle – etwa eine Ohrfeige – erfasst werden. Ziel des Berufsregisters wäre es, dass fehlbare Sozialpädagogen keine Stelle mehr fänden. Zudem sollen nur noch Betreuer mit Ausbildung – einer Lehre oder einem Hochschulabschluss – in den Heimen arbeiten dürfen.

Strafregisterauszug vorlegen

Neben einem höheren Professionalisierungsgrad fordert Avenir Social, dass Bewerber für Stellen im Bereich der Sozialpädagogik vor Stellenantritt einen Strafregisterauszug vorlegen müssen. Heute genügt in vielen Kantonen eine unterschriebene Bestätigung, dass keine für die Pflegetätigkeit relevanten Strafurteile vorliegen. Auch ein Austausch zwischen den Kantonen über fehlbare Heimbetreuer existiert nicht. Olivier Grand: «Dieser Fall zeigt, dass die Institutionen und Kantone ungenügende Standards und Rahmenbedingungen festgelegt haben.»

Braucht es eine Schwarze Liste für pädophile Plegeheim-Betreuer?

Braucht es eine Schwarze Liste für pädophile Plegeheim-Betreuer?

Eine ähnliche Ansicht wie Avenir Social vertritt Insos Schweiz, der nationale Branchenverband für Behindertenheime. «Wir ziehen eine schwarze Liste für fehlbare Betreuer in Betracht», sagt Insos-Geschäftsführer Ivo Lötscher. Der Verband hat als Reaktion auf den Missbrauch-Skandal bereits eine interne Arbeitsgruppe eingesetzt, die prüfen will, ob es weitere Massnahmen in der Prävention brauche. Lötscher warnt zudem vor weiteren Sparmassnahmen im Heimbereich. «Wenn die Politik im Heimbereich weiter sparen will, kann nicht ausgeschlossen werden, dass dann gerade bei der Aufsicht Abstriche gemacht werden.

Schwarze Liste für Lehrer

Mit einer schwarzen Liste für fehlbare Lehrer haben die Kantone gute Erfahrungen gemacht, wie Silvia Müller von der Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK) sagt. Auf die Liste kommen Lehrer, welchen in einem kantonalen Verfahren die Lehrbefugnis entzogen worden ist. Auskunft erhalten nur Behörden, die Lehrpersonen anstellen. Der Antrag muss schriftlich erfolgen und gilt jeweils nur für eine Person. «Niemand erhält einen vollständigen Auszug», sagt Müller. Der Datenschützer begleitete den Aufbau der Liste. Müller: «Wir haben uns auf eine rechtliche Basis abgestützt.»