Köpfe drehen sich, als sie den Raum betritt. Blicke bleiben haften, bis sie züchtig zu Boden gesenkt werden. Vera Weber ist sich ihrer Wirkung bewusst – und setzt sie gezielt ein: «Eine gepflegte Person verschafft sich mehr Gehör», sagt sie, als sie gestern für «Duell Aktuell» von Tele M1 ins AZ Mediencenter kommt.

Die 37-Jährige vertritt die von ihrem Vater Franz Weber lancierte Volksinitiative «Schluss mit uferlosem Bau von Zweitwohnungen», über die am 11.März abgestimmt wird. Es ist ihr erster öffentlicher politischer Auftritt überhaupt. Und es ist ein Schritt aus dem grossen Schatten des altersresistenten Umweltschutzpioniers.

Fünf Minuten vor der Aufzeichnung. Vera Weber hat Lampenfieber. «Ich habe alles vergessen, was ich sagen will», sagt sie halb scherzend. Ein kindliches Lächeln verbirgt nur ungenügend die Nervosität. «Ich bin unheimlich schüchtern», verrät sie denn auch im vorgängigen Gespräch mit der az. Gleichzeitig gibt sie unumwunden zu, sehr eitel zu sein. Ein Widerspruch? «Jedes Tier macht sich schön. Ich pflege mich aus Respekt vor der Natur und vor meinen Mitmenschen, unter denen ich mich bewege.» Ein Satz für die Beauty-Industrie und doch entwaffnend ehrlich.

Ein Leben für die Stiftung

Die eidgenössisch diplomierte Hôtelière lebt und arbeitet für die Natur – und vor allem für die Tiere. Die Leitung der Franz-Weber-Stiftung (FFW) beansprucht sie zu 100 Prozent. «Ich will keine Kinder, denn die Arbeit ist mein Kind – und durch sie kann ich viel mehr Kindern auf dieser Welt helfen», sagt Weber. Die Arbeit wird ihr auch kaum ausgehen. Es steht fest, dass sie die Stiftung ihrer Eltern weiterführen wird, sollten der 84-jährige Franz und die 69-jährige Judith tatsächlich entscheiden, sich dereinst in ihrer Villa im waadtländischen Clarens zur Ruhe zu setzen.

«Solange ich jung bin, kämpfe ich weiter», sagt der Unerschütterliche zwar, und fügt hinzu: «Ich hätte Vera gerne eine schöne, geruhsame Zukunft gewünscht, doch sie hat sich für den Kampf entschieden.» Und Mutter Judith stellt fest: «Sie ist immer noch mein Kind, aber mittlerweile kann ich auch als Arbeitspartnerin voll auf sie setzen.»

Stierkämpfen und Robbenjagden ein Ende setzen

Vera Weber bedeutet die Familie viel. Sie vergleicht sie mit ihren liebsten Wildtieren: «Meine Eltern sind wie Elefanten und ich bin ihr Baby. Sie sind sehr sozial und unglaublich weise. Ich kann noch so viel von ihnen lernen.» Seit sie denken könne, sei sie in die Umwelt- und Tierschutzprojekte eingespannt worden. Ihr persönlich grösstes Anliegen ist dabei, Stierkämpfen und Robbenjagden ein Ende zu bereiten. So stellte sich die Vegetarierin in Kanada den Jägern in den Weg und dokumentierte in Spanien, wie sechs Stiere in zwei Stunden zu Tode gefoltert wurden. «Ich habe grundsätzlich keine Angst», sagt Weber, «ausser davor, nicht gut genug zu sein.»

Diese Angst treibt sie manchmal so sehr an, dass sie den Bogen überspannt: «Vera ist kein leichter Mensch. Sie kann sehr schneidend und hart sein», weiss ihre Mutter. «Ja, manchmal bin ich jähzornig – aber leider nur gegen Menschen, die mir nahestehen», ergänzt die Tochter. Ihre Gegner – «alle Menschen, die für Geld über Tierleichen gehen» – möchte Weber anders angehen: «In den nächsten fünf bis zehn Jahren wird es auf der Welt eine Transformation geben, einen Sinneswandel hin zum Guten, davon bin ich überzeugt.» Geschäftsfrau mit Kalkül oder Hippie? «Ich bin Vera. Punkt.»