Martin Reichlin

Es war eine sichtlich gutgelaunte Rita Fuhrer, die am Freitag das Veloförderprogramm des Kantons Zürich den Medien präsentierte. «Sie wissen, ich fahre selbst sehr gerne Velo - ausser letztes Jahr, als es nicht ganz geklappt hat», meinte die Volkswirtschaftsdirektorin, auf ihren Velounfall vom Vorjahr anspielend, und hatte die Lacher auf ihrer Seite.

EU-Zertifikat für Zürich

Anschliessend wurde eine Analyse der heutigen Zürcher Velopolitik vorgestellt. Das so genannte Bypad (Bicycle Policy Audit) wurde unter Leitung eines externen Beratungsbüros durchgeführt und bewertete die unterschiedlichen Anstrengungen von Politik und Verwaltung nach Standards der EU. Den Kanton Zürich kostete die Studie 50000Franken. Ein Teil des Geldes floss in die Weiterentwicklung des EU- Projektes.

Das Ergebnis: Von 100 möglichen Punkten erreicht die Zürcher Velopolitik nur 57. Negativ bewertet wurden vor allem das Marketing und die Kommunikation mit den Velofahrern. «Das Radwegnetz ist sehr gut, aber nic ht genügend bekannt», so Studienleiterin Ursula Lehner-Lierz. Das Angebot sei nicht gut vermarktet, die Wege zu wenig ausgeschildert und es fehle an Kartenmaterial.

Insgesamt lasse sich in Zürich kein kohärentes System in der Velopolitik erkennen. Probleme erkannte Lehner-Lierz auch bei der Verknüpfung von Velo- und öffentlichem Verkehr, zum Beispiel was Veloparkplätze an Bahnhöfen angeht. Es sei nicht klar, wer wofür zuständig sei und was finanzieren müsse.

Dennoch erhielt die Zürcher Velopolitik schliesslich das EU-Zertifikat. Die Erkenntnisse der der Bypad-Analyse flossen in die neue Velostrategie ein, die laut Fuhrer als Ergänzung zu den bisherigen Massnahmen gedacht ist, diese aber besser verknüpfen soll. Neue Infrastruktur werde im Rahmen der mit insgesamt 20 Millionen Franken dotierten und auf zehn Jahre angelegten Veloförderung nicht geschaffen. Fuhrer: «Schon heute gibt der Kanton Zürich pro Jahr rund 15 Millionen Franken aus, um Velowege zu bauen. Damit wurden bisher 1700Kilometer Radwege geschaffen.» Bis 2030 soll das Velonetz doppelt so lang sein.

Velo-Kampagne geplant

Als Ergänzung dazu sollen nun Massnahmen wie etwa eine Koordinationsstelle für Veloverkehr - ein «Veloanwalt -, ein kantonales Mobilitätsmanagement, eine Velofachtagung, verbesserte Signalisation und besseres Kartenmaterial oder die Optimierung der Veloparkplätze greifen. Ein Schwerpunkt soll auch die Kommunikation werden. Mit einer Kampagne will man das Velo als Verkehrsmittel für Kurzdistanzen anpreisen und die Menschen in Städten und Agglomerationen zum Umsteigen bewegen.

Wie gross der Anteil der Velofahrer am Gesamtverkehr dank des Förderprogramms werden soll, lässt das vorgestellte Papier allerdings offen. In der 2007 eingereichten und 2008 zurückgezogenen kantonalen Volksinitiative «Für mehr Veloverkehr» wurde noch ein Anteil von 15Prozent gefordert. Ein Wert, den Fuhrer aber als «unrealistisch» bezeichnete.