Pro Stunde zwanzig Rotlichtsünder: Klingt wie Pornografie, ist aber nur die Selbstbefriedigung des Hipsters. Zwanzig Mal während einer Stunde haben Velofahrer in Basel ein Rotlicht überfahren. Sechs durchflogen zwei Rotlichter hintereinander. Zur gleichen Zeit missachtete auch ein Autofahrer Rot – einer. Die Polizei verteilte Bussen. Wo Regeln nicht für alle gelten, sollen wenigstens alle blechen.

Gilt neuerdings Rot auch für grüne Gesinnung? Wenn es denn Gesinnung wäre. Der Basler oder Zürcher Hipster setzt einen Tweet ab, hoch oben auf seinem Esel. Am Lenker einen Regenbogen-Wimpel. Ein weisser Ritter wie Ivanhoe beim Brexit. Im Chat geisselt der urbane Gärtner Pegida, diese reaktionären Anarchisten, die jeder Zivilgesellschaft spotten, und schliesst: «Je suis Pulse». Unterwegs in Gegenrichtung auf der Einbahnstrasse, fühlt er sich vom Heiligen Geist getragen wie ein Auserwählter. Was? In Fussgängerzonen muss man das Velo schieben? Sorry, er hat Freunde eingeladen und muss am Bio-Markt noch Kräuter holen. Die Welt ist nun mal nicht perfekt für alle: Hier die erleuchteten Velofahrer, dort die dumpfen Spiesser.