Verkehr
Velofahrer nützen der Allgemeinheit mehr als sie kosten

Wer zu Fuss oder mit dem Velo unterwegs ist, tut der Allgemeinheit auch finanziell einen guten Dienst. Fussgänger und Velofahrer sind die einzigen Verkehrsteilnehmer mit einer «positiven» Bilanz.

Rinaldo Tibolla
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Fussgänger und Velofahrer generierten im Jahr 2010 1,3 Milliarden Franken an externem Nutzen. Gaetan Bally/Keystone

Fussgänger und Velofahrer generierten im Jahr 2010 1,3 Milliarden Franken an externem Nutzen. Gaetan Bally/Keystone

«Eine ausgewogene Ernährung und viel Bewegung halten Sie gesund», heisst es jeweils in Gesundheitsratgebern. Geht es nach der kürzlich veröffentlichten Studie des Bundesamts für Raumentwicklung, könnte das Motto «Gehen Sie zu Fuss oder nehmen Sie das Fahrrad und Sie tun sich und der Allgemeinheit einen Dienst» heissen.

Erstmals wurden die externen Kosten aller Verkehrsmittel erfasst. Dabei ergab sich, dass der sogenannte Langsamverkehr – also Fussgänger und Velofahrer – 1,3 Milliarden Franken an externem Nutzen generiert. Klar fällt dieser primär auf die aktive Person, weil sie gesünder lebt. Doch erkennt die Studie auch eine Entlastung für die Allgemeinheit. Die Rede ist von einer «Ressourceneinsparung».

Durch die bessere Gesundheit der «Langsamverkehrer» reduzieren sich die Krankheitsfälle, wodurch Arztkosten und schliesslich Krankenkassenkosten eingespart werden können. Auch die Arbeitgeber profitieren davon, dass diese Gruppe seltener bei der Arbeit ausfällt. Laut Studie konnten die geh- und tretfreudigen Schweizer im Referenzjahr 2010 knapp 125 000 Lebensjahre gewinnen, davon 15 000 Erwerbsjahre. Gut 10 000 Todesfälle konnten verhindert werden – 1500 von Erwerbstätigen.

Sterben weniger Leute, müssen auch weniger Hinterlassenenrenten ausbezahlt werden. Auch gut 20 000 Spitaleinweisungen waren nicht nötig. Die Gesundheitseffekte ergeben sich zu rund 70 Prozent aus dem Fussverkehr und rund 30 Prozent aus dem Veloverkehr.

Unfälle als Schattenseite

Aber auch der Langsamverkehr hat seine Schattenseiten. Zu Fuss oder auf dem Fahrrad ist man wenig geschützt. Damit erklären sich die rund 900 Millionen Franken, die sich mehrheitlich aufgrund von Unfallkosten anhäuften, für welche schliesslich auch die Allgemeinheit aufkommt. Fussgänger und Velofahrer sind aber trotzdem die einzigen Verkehrsteilnehmer, welche überhaupt eine «positive» Bilanz aufweisen:

Der Strassenverkehr Von insgesamt 9,4 Milliarden Franken an externen Kosten des Verkehrs fallen 7,7 Milliarden dem Strassenverkehr zu, davon 5,5 Milliarden dem privaten Auto-, Bus-, Car- und Motorradverkehr. Den grössten Teil davon machen die Gesundheitskosten durch Luftverschmutzung mit 1,05 Milliarden Franken aus. Mit 984 Millionen Franken schlagen die Auswirkungen auf den Klimawandel zu Buche, 913 Millionen Franken kostet die Lärmbelastung. Die Unfallkosten belaufen sich auf 909 Millionen Franken. Auf Schweizer Strassen ereigneten sich 2010 rund 59 000 Unfälle.

Der Schienenverkehr Insgesamt betragen die externen Kosten des Schienenverkehrs 730 Millionen Franken, wovon 410 Millionen auf den Personenverkehr entfallen. Den grössten Anteil macht mit 116 Millionen die Luftbelastung aus. Belästigungen und gesundheitliche Schäden aufgrund von Lärm werden mit 101 Millionen veranschlagt. Einen wesentlichen Posten machen mit 88 Millionen die Auswirkungen auf Natur und Landschaft aus. Systembedingt gering fallen die Klimakosten der Bahn aus, welche sich auf eine Million beschränken. Auch die Unfallkosten halten sich mit zwei Millionen Franken in Grenzen.

Der Luftverkehr Mit insgesamt 920 Millionen Franken hat der Flugverkehr den zweitgrössten Anteil an den externen Kosten. Davon entfallen 842 Millionen auf den Passagierverkehr. Klar den grössten Posten davon machen die Klimabelastungen mit 627 Millionen Franken aus. Die
indirekten Umweltschäden über die Emissionen werden mit 98 Millionen beziffert, die Lärmkosten mit 62 Millionen und die Gesundheitskosten durch die Luftverschmutzung mit 34 Millionen. Für Unfälle werden nicht einmal zwei Millionen Franken berechnet.

Der Schiffsverkehr Von insgesamt 58 Millionen Franken an externen Kosten entfallen 31 Millionen auf die Passagierschifffahrt. Davon sind 17 Millionen der Luftverschmutzung und fünf Millionen der Klimabelastung anzurechnen. Lärm- und Unfallkosten werden keine aufgeführt.

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