Insbesondere in den sozialen Medien ist die Gefahr für die National- und Ständeratskandidaten gross, sich mit wenigen Worten ins Abseits zu manövrieren. Eine Auswahl grösserer und kleinerer Fauxpas aus dem bisherigen Wahlkampf:

Claude Béglé und die guten Seiten des Sozialismus

Der Waadtländer Nationalrat Claude Béglé setzte sich mit verharmlosenden Tweets zu Nordkorea in die Nesseln. Der Aussenpolitiker äusserte sich etwa lobend über Fabriken, die er besucht hatte. Und er erklärte, der Alltag scheine relativ normal: Die Nordkoreaner seien entspannter als er gedacht habe, tränken gerne Bier und amüsierten sich. Die Menschenrechtslage, etwa die Lager für politische Gefangene, erwähnte Béglé nicht.

CVP-Präsident Gerhard Pfister distanzierte sich von Béglés Aussagen: Dieser sei der «nordkoreanischen Propaganda aufgesessen», sagte er. Politiker störten sich zudem daran, dass Béglé zwar privat reiste, sich gleichzeitig aber als Vermittler inszenierte.

Béglé selbst zeigte sich nach seiner Rückkehr wenig einsichtig. Gegenüber dem «Tages-Anzeiger» sagte er: «Ich habe entschieden, nach Pyongyang zu fahren, weil ich das Gefühl hatte – ohne hochtrabend zu sein –, dass das nützlich sein könnte für den Weltfrieden.» Konsequenzen hat seine Nordkorea-Begeisterung für den ehemaligen Post-Präsidenten bisher nicht: Die CVP Waadt entschied, ihn auf der Kandidatenliste zu lassen.

Tamy Glausers fatale Aussage zu Veganerblut

Tamy Glauser

Tamy Glauser

Die Grünen schienen einen Coup gelandet zu haben: Model Tamy Glauser wollte für die Partei für den Nationalrat kandidieren und bescherte den Grünen mit dieser Ankündigung viel Aufmerksamkeit. Doch dann wurde ihr diese zum Verhängnis. In einem Instagram-Kommentar schrieb Glauser unter anderem den Satz: «Blut von Veganern kann Krebszellen töten.»

Glauser entschuldigte sich wenig später zwar für die Aussage. Diese sei falsch und sie distanziere sich davon, erklärte sie. Wegen der heftigen Reaktionen zog sie ihre Kandidatur schliesslich aber zurück. Dass «eine sehr unbedarfte Aussage» derartige Reaktionen auslösen könne, damit habe sie schlicht nicht gerechnet, begründete sie ihren Rückzug auf Instagram. «Es hat mir weh getan und mir aufgezeigt, wo meine Grenzen liegen.»

Die Zürcher FDP und das Vegetarierblut

Die FDP des Kantons Zürich nutzte Glausers Rückzug für einen Seitenhieb auf die Grünen. «Glättli wieder Promi #1», twitterte die Kantonalpartei. «Ob sein Vegetarierblut gleich viel nützt?» Die Aussage zu Glättlis «Vegetarierblut » - eine Anspielung auf Glausers Veganerblut-Äusserung - sollte wohl lustig gemeint sein, kam aber bei manchen gar nicht gut an. Als «peinlich», «erbärmlich» und «geschmacklos» wurde sie auf Twitter unter anderem bezeichnet.

Hans-Jakob Boesch, Präsident der Zürcher FDP, verteidigte den Tweet: Die Politik solle auch Spass machen und müsse nicht immer todernst sein. Und: Die Grünen teilten schliesslich auch gerne aus, da müssten sie auch einstecken können, erklärte er.

Die SVP und der Verdingkinder-Vergleich

Verena Herzog

Verena Herzog

Ein umstrittener Vergleich mit den Verdingkindern brachte die Thurgauer SVP-Nationalrätin Verena Herzog in die Kritik. Sie schrieb in der SVP-Zeitung «Klartext» im Zusammenhang mit der Forderung nach flächendeckender frühen Förderung von Kindern: «Dies erinnert an das verwerfliche Gedankengut, mit welchem die Verdingkinder zur besseren Erziehung weggegeben wurden.»

Im «Blick» äusserten sich ehemalige Verdingkinder und Vertreter von Kindertagesstätten empört über den Vergleich der Nationalrätin. Der Verein Fremdplatziert forderte eine Entschuldigung. Herzog zeigte sich uneinsichtig und verteidigte ihre Äusserung in einem Interview mit der «Thurgauer Zeitung»: Sie würde den Vergleich wieder so schreiben, sagte sie: «Denn ich will verhindern, dass je auch nur annähernd wieder so etwas passiert wie mit den Verdingkindern.»

Die Jetset-Kandidaten der SP

Ein Dutzend Auslandschweizer aus Asien, Afrika, Nord- und Südamerika will für die SP in den Nationalrat. Die meisten von ihnen würden im Falle einer Wahl nicht in die Schweiz ziehen, sondern für die Sessionen nach Bern kommen, wie der «Blick »berichtete. Sie würden unter anderem aus Tokio und Kapstadt jeweils hin- und herfliegen. Nicht gerade umweltschonend - und das ausgerechnet bei der SP, die sich den Klimaschutz auf die Fahnen geschrieben hat.

Tim Guldimann

Tim Guldimann

Kommt hinzu: Der bisher einzige Auslandschweizer, der den Sprung in den Nationalrat schaffte, ist SP-Politiker Tim Guldimann. Seine Wahl in den Nationalrat endete allerdings ernüchternd: Der Zürcher, der in Berlin lebt, trat aber nach nur zweieinhalb Jahren wieder zurück: Er habe zu wenig Zeit, um in der Schweiz zu sein, begründete er den Entscheid.

Vielfliegerin in der Kritik

Apropos Vielflieger: Auch die Schaffhauser GLP-Politikerin Regula Widmer geriet deswegen in die Kritik. Der ehemalige SVP-Parteipräsident Pentti Aellig hatte in der Zeitung «Schaffhauser Nachrichten» Widmers ökologischen Fussabdruck angeprangert: Sie fliege häufig, weil sie einen Zweitwohnsitz in Florida habe, schrieb er.

Wenige Tage später gab Widmer überraschend ihren Verzicht auf die Ständeratskandidatur bekannt. Sie sei zum Schluss gekommen, dass ein Wahlkampf nicht sinnvoll sei, weil die beiden bisherigen Ständeräte fest im Sattel sitzen, begründete sie den Rückzieher. Die Kritik von Aellig sei nicht «matchentscheidend» gewesen, sagte sie Radio SRF. Die GLP tritt in Schaffhausen nun nicht zu den Ständeratswahlen an.

BDP-Politiker irritiert mit Todesstrafe-Tweet

Der Aargauer BDP-Präsident Roland Basler zog mit einem Tweet zum Tötungsdelikt in Frankfurt die Kritik auf sich. Ab dieser «zutiefst verabscheuungswürdigen Tat» komme er «wieder ins Grübeln, ob doch die Todesstrafe die gerechte Bestrafung dafür wäre», schrieb er.

Der Aargauer BDP-Nationalrat Bernhard Guhl distanzierte sich umgehend von der Aussage: «Das ist weder eine Position der BDP Schweiz noch eine der BDP Kanton Aargau.» Basler erklärte später gegenüber der «Aargauer Zeitung», er sei ebenfalls gegen die Todesstrafe. «Ich habe sie nie gefordert und werde sie nie fordern», betont er. Er habe sich ein «sehr persönliches Urteil» über die Tat in Frankfurt gebildet und dieses auf Twitter ausgedrückt.