VBS befördert Bombenleger zum Oberst

VBS macht Bombenleger zum Oberst

Er sprengte die Haustür seiner Ex-Freundin in die Luft, rammte Nägel durch seine eigenen Hände, verpasste sich selbst einen Durchschuss und behauptete, von einer Terrorgruppe verfolgt zu werden. Und wurde zum Oberst befördert.

Das VBS scheint es schwer zu haben auf der Suche nach Kandidaten für Kaderpositionen. Sehr schwer. Anders lässt sich wohl kaum erklären, wieso ein verurteilter Bombenleger mit einem psychologischen Gutachten, das ihm paranoide Störungen und das Leben in einer «Scheinwirklichkeit» attestiert, zum Oberst befördert werden kann.

Das VBS hat am 1. April den verurteilten Hauptmann Jürg S. zum Oberst befördert, wie der «Blick» am Mittwoch schreibt. Er sorgte ab 1987 jahrelang für Schlagzeilen in den Schweizer Medien: Nachdem ihn seine Freundin verlassen hatte, stahl er damals aus einem Munitionsdepot in Thun Sprengstoff, den er vor einem Neunfamilienhaus in die Luft sprengte.

«Stark verminderte Zurechnungsfähigkeit»

In der Nähe ein Bekennungsschreiben der fiktiven Terrorgruppe «M.P.S.». In der Folge verübte er auf sich selbst ganze 13 Anschläge, von denen er behauptete, sie würden von «M.P.S.» auf ihn verübt.

Die Palette reichte von Säurenanschlägen über zwei Pfeile in Schulter und Oberarm bis zu Folterungen auf einem Nagelbrett und einem glatten Durchschuss. Trotz eines psychiatrischen Gutachtens, das ihn als «prozessunfähig» auswies, wurde er deswegen im Jahr 1994 zu 10 Monaten Gefängnis bedingt verurteilt. Das geringe Strafmass wurde mit einer «stark verminderten Zurechnungsfähigkeit» begründet.

Er wurde unehrenhaft aus der Armee entlassen, konnte seine Militärkarriere aber bereits 2002 bei der Swisscoy im Kosovo wieder fortsetzen und wurde dieses Jahr schliesslich zum Oberst ernannt. Wie ist das möglich?

Militärdienstpflicht gilt auch für Straftäter

Das VBS antwortet nur generell: Wer strafrechtlich verurteilt ist, kann vier Jahre nach Verbüssung der Strafe ein Gesuch auf Wiederaufnahme in die Armee stellen, wie der «Blick» weiter schreibt.

«Grundsätzlich gilt auch für strafrechtlich verurteilte Schweizer die Militärdienstpflicht», wird Christian Burri, der stellvertretende Informationschef Verteidigung, zitiert.

Nach einer Ausschliessung kommt die Wiederaufnahme aber nur bei einwandfreier Lebensführung in Frage. Entschieden über ein Wiederaufnahmegesuch wird in der Personalabteilung der Armee - mit Rücksicht auf das Militärgesetz. (mik)

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