Die "New York Times" berief sich in ihrem im Internet veröffentlichten Bericht auf Dokumente, die sie nach eigenen Angaben von Anwälten erhalten hat, die Kläger gegen das Erzbistum von Milwaukee (US-Staat Wisconsin) vertreten.

Der Fall dreht sich laut dem Blatt um einen 1998 verstorbenen Priester, der von 1950 bis 1974 in einer bekannten Schule für gehörlose Kinder arbeitete. 1996 habe der damalige Kardinal Ratzinger auf zwei Briefe des damaligen Erzbischofs von Milwaukee zu dem Fall nicht geantwortet, so die Zeitung.

Acht Monate später sei ein geheimes kircheninternes Verfahren eingeleitet worden, um den fehlbaren Priester aus dem Amt zu entfernen. Die Prozedur sei aber gestoppt worden, nachdem der Priester bei Ratzinger schriftlich dagegen protestiert habe.

Er argumentierte demnach, er habe bereut, sei krank und der Fall ausserdem gemäss der Kirchenregeln bereits verjährt. In den ihr vorliegenden Unterlagen finde sich keine Antwort Ratzingers, heisst es in der "New York Times".

Der Priester sei 1974 in aller Stille in eine Diözese im nördlichen Wisconsin versetzt worden. Dort habe er bis zu seinem Tod weiter in Gemeinden, Schulen und - laut einer Klageschrift - im Jugendstrafvollzug Umgang mit Kindern und Jugendlichen gehabt.

Vatikansprecher Federico Lombardi nannte es in der Zeitung einen "tragischen Fall". Der Vatikan habe erst 1996 von den Vorfällen Kenntnis erhalten. Die US-Behörden hätten den Fall untersucht und nicht weiterverfolgt.