Toter Datenspion
Vater von Daten-Dealer kritisiert Schweiz massiv

Der Vater des in einer Zelle des Regionalgefängnisses Bern tot aufgefundenen Daten-Dealers Wolfgang U.klagt die Schweizer Behörden an. Er wusste nichts von der Verhaftung seines Sohnes. Jetzt will er Auskunft.

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Toter Datenspion

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«Ich wusste nicht, dass mein Sohn im Gefängnis war. Niemand wurde darüber informiert. Das finde ich nicht richtig», sagt der Tiroler gegenüber der Zeitung «Der Sonntag». Er verlangt jetzt Auskunft darüber, wie es dazu kommen konnte. «Das ist das Mindeste, was die Schweiz jetzt noch tun kann.»

Grafikdesigner Wolfang U. war vor zwei Wochen in seiner Firma in Wil SG von zivilen Bundeskrminalpolizisten abgeführt worden. Am vergangenen Mittwoch wurde er um 6.30 tot in seiner Zelle im Regionalgefängnis Bern aufgefunden. Er hatte Suizid begangen. Die Bundesanwaltschaft (BA) bestätigte, dass der verstorbene Mann im Rahmen der Strafuntersuchung wegen Bankdatendiebstählen und dem Verkauf der Daten nach Deutschland inhaftiert war.

Bundesanwaltschaft schweigt

BA-Sprecherin Jeannette Balmer will sich zu den Vorwürfen des Vaters, die Familie sei über die Verhaftung im Dunkeln gelassen worden, nicht äussern. Sie weist aber gegenüber dem «Sonntag» darauf hin: «Wir haben mit der Publikation der Medienmitteilung zugewartet, da zunächst die Angehörigen informiert werden mussten.» Die BA führte seit Februar 2010 ein gerichtspolizeiliches Ermittlungsverfahren, unter anderem wegen Verdachts auf wirtschaftlichen Nachrichtendienst. In gleichem Zusammenhang hat die BA in Deutschland um Rechtshilfe ersucht.

Daten-Dealer Wolfgang U. fühlte sich offenbar sicher. «Ich habe Wolfi einen Tag vor seiner Verhaftung noch in seinem Büro besucht», erzählt Freund Bruno H.* Er habe völlig normal gewirkt. «Wir haben wie so häufig philosophiert.» Dabei sei auch über das Geschäft gesprochen worden. Mit keiner Silbe habe er etwas von Steuerdaten erwähnt: «Einen Tag später war er weg, verschwunden.»