ETH
Vater: «Max ist enttäuscht über den Entscheid der ETH»

Der 9-jährige Max Janisch darf an der ETH kein Mathematikstudium beginnen. Der Entscheid der Hochschule ist für Vater Thomas Drisch keine Überraschung. Enttäuscht ist die Familie aber dennoch. Wie sie weiter verfahren will, ist noch nicht klar.

Fabio Baranzini
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Der hochbegabte Max Janisch aus dem luzernischen Meierskappel wird von der ETH nicht zum Mathematikstudium zugelassen. Diesen Entscheid fällte die ETH heute morgen in einem Gespräch mit Max und seiner Familie. Die Begründung: Der 9-Jährige verfügt nicht über eine eidgenössisch anerkannte Maturität. Das Alter sei laut ETH-Sprecher Roman Klingler aber nicht entscheidend gewesen.

«Wir hatten bereits vor dem Gespäch das Gefühl, dass wir schlechte Karten haben. Wir haben aber noch nicht gewusst weshalb», erklärt Vater Thomas Drisch. Sein Gefühl sollte ihn nicht täuschen. «Die ETH hat uns vor Augen geführt, dass es die Struktur des Studiengangs für einen Jugendlichen unmöglich macht, Mathematik zu studieren.»

Wer an der ETH Mathematik studiert, muss nach den ersten beiden Semestern in sechs Fächern – darunter auch mehrere nicht-mathematische – die Basisprüfungen ablegen. Diese Prüfungen müssen zwingend in einem Block absolviert werden. Drisch schätzt daher, dass sich der für die Prüfungen notwendige Arbeitsaufwand auf rund 50 Wochenstunden belaufen würde.

Viel zu viel für Max, der nach wie vor am Gymnasium Immensee zur Schule geht. «Das ist schlicht nicht machbar. Es wäre etwa dasselbe, wie wenn man von Max verlangen würde, dass er in einem Jahr eine Höhe von drei Metern überspringt», sagt Drisch.

«Max ist aber trotzdem enttäuscht über den Entscheid der ETH», so der Vater. Einen Vorwurf macht er der ETH deswegen aber nicht. Man sei an der Struktur gescheitert, die sich für einen einzelnen Student nicht habe aufbrechen lassen.

Die ETH bietet dem 9-jährigen Max Janisch jedoch an, als Zuhörer an Übungen und Fachdiskussionen teilzunehmen. Zudem schlägt die Hochschule vor, dass er sich für die Teilnahme an den jährlich stattfindenden Studienwochen der ETH bewerben soll. «Ob wir von diesen Angeboten Gebrauch machen werden, wissen wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht. Das werden wir in der Familie noch besprechen», sagt Drisch.

Die Familie wollte, dass ihr Sohn als regulär immatrikulierter Student an den Mathematikvorlesungen der ETH teilnimmt und die entsprechenden Prüfungen absolviert. Unterstützung erhielt sie in ihrem Vorhaben vom Gymnasium Immensee. Auch beim gestrigen Gespräch mit der ETH war das Gymnasium mit Prorektorin Rahel Stocker vertreten.

Für Aldo Magno, Rektor des Gymnasiums Immensee, kommt der Entscheid der ETH nicht überraschend. «Das war zu erwarten. Die Begründung entspricht ja auch den Grundlagen der ETH.» Enttäuscht ist er über den Entscheid nicht, denn für Magno war in erster Linie wichtig, dass Max die Möglichkeit erhält, Mathematikunterricht auf Hochschulniveau zu geniessen. «Ob er das nun im Rahmen einer vollen Immatrikulation machen kann oder nur als Zuhörer, spielt letztlich keine Rolle», so der Rektor.

Magno sichert der Familie von Max die Unterstützung von Seiten des Gymnasiums zu. «Wenn es Max hilft, werden wir ihn sicher vom Unterricht freistellen, damit er die Vorlesungen an der ETH besuchen kann. Auch wenn er nur als Zuhörer dabei ist», so Magno. Über weitere Unterstützungsmöglichkeiten werden sich die Verantwortlichen des Gymnasiums und die Eltern noch beraten.