Der geplante Abenteuertrip in die kommunistische Utopie Pjöngjangs? Den können reiselustige Amerikaner wieder aus ihren Agenden streichen. Grund dafür: In der Nacht auf Donnerstag erliess das US-Aussenministerium ein Reiseverbot für Nordkorea. Ab dem 1. September dürfen Amerikaner offiziell nicht mehr in das Land reisen, es sei denn, sie beantragen zuvor eine Spezialbewilligung bei der Regierung.

Ministeriumssprecherin Heather Nauert, die den Entscheid verkündete, begründete das Ausreiseverbot mit der «Besorgnis, dass Amerikaner in Nordkorea willkürlich verhaftet und für lange Zeit weggesperrt» werden könnten.

15 Jahre Haft wegen Poster

Ausschlaggebend für den radikalen Entscheid war der Tod von Otto Warmbier im vergangenen Juni. Der 22-jährige Student aus dem US-Bundesstaat Ohio wurde im März 2016 in Pjöngjang verhaftet und zu 15 Jahren Arbeitslager verurteilt, weil er angeblich in einem Hotel ein Propaganda-Plakat mitlaufen lassen wollte.

Amerikanische Politiker haben den Reiseverbots-Entscheid des Aussenministeriums grösstenteils positiv aufgenommen. «Wir hatten zu viele Tragödien mit Amerikanern, die nach Nordkorea gereist sind. Es ist einfach nicht mehr sicher», sagte der demokratische Abgeordnete Adam Schiff aus Kalifornien. Er war der Erste, der nach Warmbiers Tod eine sogenannte Geographical Travel Restriction (GTR) gefordert hatte.

Eine GTR erlaubt es der amerikanischen Regierung, ihren Bürgern Reisen in ein bestimmtes Gebiet zu verbieten. Die letzte GTR sprach die Regierung in den frühen 90er-Jahren für den Irak aus. GTRs gab es zuvor auch schon für den Iran, den Libanon, für Kuba, Libyen und China.

Warmbiers Tod als Reiseanreiz?

In der Schweiz wäre ein solches Reiseverbot nicht durchsetzbar. «Es besteht keine rechtliche Grundlage, welche es dem Bundesrat erlauben würde, die Bewegungsfreiheit sämtlicher Schweizer Staatsangehöriger durch ein Reiseverbot in ein bestimmtes Gebiet einzuschränken», sagt EDA-Sprecherin Carole Wälti auf Anfrage. Auch von einer Reisewarnung für Nordkorea sieht das EDA weiterhin ab.

Ob das Reiseverbot die Amerikaner tatsächlich daran hindern wird, nach Nordkorea zu reisen, ist unklar. Nordkorea heisst US-Bürger offiziell weiterhin willkommen. Und selbst der Tod von Otto Warmbier könnte in den Augen einiger Beobachter gar einen positiven Effekt auf die Tourismuszahlen für Nordkorea haben. Das jedenfalls schrieb der Journalist Jens Jessen vor einem Monat in der «Zeit». Der gelegentliche «hörbare Schreckensschrei aus dem Off» (als den er Warmbiers Einweisung ins Arbeitslager beschrieb) helfe dem dortigen Tourismusgeschäft, das primär von einem lebe: der «Angstlust» der Nordkorea-Reisenden.

Bilder aus dem Alltag in Nordkorea, die eine Fotografin der Nachrichtenagentur AP gemacht hat: