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US-Waffennarren loben das «grossartige Waffengesetz» der Schweiz

«Heute möchten wir über ein kleines Land auf der anderen Seite des grossen Teichs sprechen», kündigen die «Glock Brothers» in ihrem Videoblog an. Was folgt, ist ein Zwölfminuten-Clip über Vorzüge der Schweiz aus Sicht zweier US-Waffenfreunde.

Andreas Kaufmann
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Die «Glock Brothers» rühmen das Schweizer Waffengesetz

Die «Glock Brothers» rühmen das Schweizer Waffengesetz

youtube.com

«Sie bewahren ihre Maschinengewehre zu Hause auf und legen eine gute Einstellung an den Tag, was Schusswaffen angeht», rühmen sie die Eidgenossen auf Youtube. «Dabei ist die Kriminalitätsrate sehr tief» - womit für die «Glock Brothers» der Zusammenhang feststeht: Die helvetische Eigenart der Waffenpflicht, die von einem Angehörigen der Armee im Regelfall gefordert wird, mache die Schweiz zu einem der sichersten Länder der Welt.

Und: Die Vorstellung, sich selbst verteidigen zu können, stärke auch das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung. «Nicht nur feine Schokolade, sondern auch ein grossartiges Waffengesetz!» liest sich indes wie ein Werbespot unter den Kommentaren zum Videoclip.
«Alle Schweizer sind bewaffnet»
Beiträge, die der US-Gesetzgebung gerade in dieser Hinsicht helvetische Züge wünschen würden, findet man zahlreiche auf dem Videoportal. Auch solche, die in ihrer Beschreibung der Schweiz übers Ziel hinausschiessen: «Jeder ist bewaffnet in diesem verdammten Land. Es ist sogar Gesetz, dass jeder Mann, jede Frau und jedes Kind eine Feuerwaffe bedienen können muss», schwärmt «Johnnyb34434» und betont, dass jeder - ungeachtet dessen, was der Staat an Sicherheit bietet - sein Leben zu verteidigen habe: «Allen jenen, die mir weismachen wollen, dass dafür das Militär zuständig ist, sage ich: Da draussen, da bist Du selbst das Militär.»

Lobend ergänzt er, dass die Schweiz mir ihrer Wehrhaftigkeit im Ersten Weltkrieg schliesslich auch die Deutschen zu stoppen vermochte. Damit gibt er auch die Antwort auf die Frage, warum die Schweiz selbst nie erobert werden könne.
«Grosse Waffen - keine Gewalt»
Auch Ron Paul, republikanischer Abgeordneter, äussert sich zur helvetischen Wehrtradition: So nannte er gegenüber einem Online-TV-Sender die Schweiz als Vorbild: «Sie haben keine Gewalt, keine Kriminalität und grosse Waffen zuhause.» Andere US-Videoblogs reicherten ihre Inhalte mit einem Ausflug ins Land ihrer Träume selbst an: So wird der Gesellschaft für ein freiheitliches Waffenrecht «pro Tell» ein Besuch abgestattet. «Der Schlüssel zur Freiheit ist die Fähigkeit, sich verteidigen zu können», ist die Devise des Vorstandsmitglieds Marc Heim. Er zeigt den Schrank, der seine Ordonnanzwaffe sowie jene seines Vaters und seines Sohnes beherbergt.
Neben allen Inhalten, die dieses Bild der Schweiz vermitteln, stösst man aber auch auf Gegenwehr in der Internet-Gemeinschaft. «Die tiefe Kriminalitätsrate und die Wehrpflicht haben nichts gemein», insistiert ein Videoblogger, der sich «Hans-Ruedi» nennt: «Vielmehr ist dafür ein funktionierendes Sozialsystem verantwortlich.» Aus Gründen der Selbstverteidigung sei in den letzten Jahren kein einziger tödlicher Schuss mehr abgegeben worden: «Es ist dann eher ein Familienvater, der Amok läuft.» «Hans-Ruedi» schliesst mit den Worten: «Wenns ums Schweizer System geht, fragt lieber jemanden von hier, als Euch auf Waffennarren aus den USA zu berufen.»

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