Libyen

US-Senatoren wollen Medizinakten des Lockerbie-Attentäters sehen

In seiner Heimat wird Abdel Basset Ali al-Megrahi (l.) als Held gefeiert (Archiv)

In seiner Heimat wird Abdel Basset Ali al-Megrahi (l.) als Held gefeiert (Archiv)

Eine Gruppe von vier US-Senatoren hat Schottland aufgefordert, die medizinischen Daten des krebskranken Lockerbie-Attentäters Abdel Basset al-Megrahi herauszugeben. Ein Sprecher der Regionalregierung in Edinburgh bestätigte am Mittwoch den Eingang des Schreibens.

Schottland hatte dem Libyer vor knapp einem Jahr zum Ärger der USA aus humanitären Gründen Haftverschonung gewährt und ihn in sein Heimatland zurückfliegen lassen.

Al-Megrahi ist der einzige Verurteilte von einer Gruppe von Attentätern, die 1988 eine Maschine der US-Fluggesellschaft PanAm über dem schottischen Ort Lockerbie gesprengt hatten. 270 Menschen starben, darunter 189 US-Bürger.

Am 20. August 2009 war der Attentäter freigekommen, weil er medizinischen Gutachten zufolge unheilbar an Krebs erkrankt war und nur noch drei Monate zu leben hatte. Bei seiner Ankunft in Tripolis wurde er wie ein Held gefeiert. Er lebt noch heute.

Verdacht auf Deal mit BP

In dem Brief an den schottischen Ministerpräsidenten Alex Salmond verlangen die US-Senatoren Robert Menendez, Kirsten Gillibrand, Frank Lautenberg und Charles Schumer unter anderem auch, die Namen, den Stand der Ausbildung und die Spezialisierung der Ärzte offenzulegen, die Al-Megrahi untersucht hatten.

Wenn für die Veröffentlichung der Medizinakten des Libyers dessen Zustimmung nötig sei, so müsse diese eingeholt werden, heisst es in dem Brief weiter.

Der Sprecher der schottischen Regionalregierung sagte, der Brief werde beantwortet. Gleichzeitig stellte er klar, dass es keinerlei Zweifel gebe, weder an der fachlichen Qualifikation noch an der Integrität der untersuchenden Ärzte. Für die Prognose zur Lebenserwartung Al-Megrahis sei die Expertise mehrerer Spezialisten herangezogen worden.

In den USA war der Verdacht aufgekommen, der Libyer sei auch deswegen entlassen worden, weil der britische Energiekonzern BP geplante Ölgeschäfte der Regierung in Tripolis gefährdet sah. Der US-Senat hatte deshalb mehrere BP-Manager, darunter Vorstandschef Tony Hayward, zu einer Anhörung im Juli geladen. Die Anhörung war jedoch verschoben worden, weil wichtige Zeugen abgesagt hatten.

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