Villigen/South Carolina

US-Kritik an Schweizer Plutonium-Export: «Wir sind doch nicht euer Abfallkübel»

Eine Uran-Ladung auf dem Weg zur Savannah River Side. Das Plutonium aus Villigen nahm den selben Weg. (Archiv)

Eine Uran-Ladung auf dem Weg zur Savannah River Side. Das Plutonium aus Villigen nahm den selben Weg. (Archiv)

Ein halbes Jahrhundert lagerten 20 Kilogramm Plutonium auf dem Areal des heutigen Paul Scherrer Instituts in Villigen, bevor es heimlich in die USA verfrachtet wurde. Dortige Umweltaktivisten sind gar nicht erfreut.

Ende Januar hat die Schweiz 20 Kilogramm waffenfähiges Plutonium in die USA abgeschoben. Und atmet auf. Sie ist Nuklearmaterial für vier Atombomben losgeworden, das etwa 50 Jahre lang beim Paul Scherrer Institut (PSI) im Aargau vor sich hinstrahlte.

Umso mehr ärgern sich Umweltaktivisten in den USA über das vergiftete „Geschenk“ aus der Schweiz. «Wir sind nicht eurer Atomabfallkübel. Wir wollen hier keinen Nuklearmüll, der unter dem Deckmantel von Non-Proliferation angeliefert wird», sagt Tom Clements, Direktor der Umweltschutzorganisation Savannah River Site Watch, der Zeitung „Schweiz am Sonntag“.

Das Schweizer Plutonium ist nun in der Militäreinrichtung eingelagert, auf die Clements ein kritisches Auge hält: Der Savannah River Site im Bundesstaat South Carolina.

Die US-Nuklearsicherheitsbehörde NNSA feierte die Anlieferung des Plutoniums zwar diese Woche: «Wir applaudieren der Schweiz als globaler Leader in Sachen Non-Proliferation», heisst es in einer Mitteilung. «Durch unseren gemeinsamen Effort hat die Schweiz jetzt sämtliches separiertes Plutonium aus ihrem Land geschafft», so die Behörde.

Entsorgung in Herkunftsländern gefordert

Aber für Tom Clements, auch als Nuklearexperte für Greenpeace aktiv, ist das vor allem ein PR-Coup im Hinblick auf den Nuklearsicherheitsgipfel von Ende März in den USA. Ein Coup, der aber schwere Folgen für die Region hat. Denn das Problem der Endlagerung des Plutoniums auf der Savannah River Site sei ungelöst, sagt Clements. Er fragt: «Woher stammt das «Recht» der Schweiz, ihr Plutonium bei uns zu deponieren?»  Clements fordert, dass  der Atommüll in den Ländern oder Kontinenten entsorgt wird, die das Uran einst verkauften.

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