Luftwaffe

US-Gutachten bemängelt: Schweizer Armee schätzt Bedrohungslage in Europa falsch ein

Braucht es Kampfflugzeuge wie den Airbus Eurofighter als Ersatz für die F/A18?. (KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)

Braucht es Kampfflugzeuge wie den Airbus Eurofighter als Ersatz für die F/A18?. (KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)

Im Auftrag der SP hat der US-Militärexperte Michael Unbehauen die Pläne des Verteidigungsdepartements analysiert. Sein Fazit fällt deutlich aus.

Bei der Erneuerung der Luftwaffe spielen die Sozialdemokraten eine Statistenrolle. Die SP-Fraktion befindet sich so gut wie immer in Minderheit, wenn sie eine schlanker bestückte Kampfjetflotte fordert.

Daran wird sich auch im neuen Parlament wenig ändern. Um zumindest für einmal im öffentlichen Diskurs Oberwasser zu gewinnen, hat die SP den amerikanischen Militärexperten Michael Unbehauen angeheuert. Der Ex-Luftwaffenoffizier hat für die Genossen die Pläne des Verteidigungsdepartements analysiert.

Sind sechs Milliarden zu viel für Kampfflugzeuge?

Sein Fazit fällt deutlich aus: Die Eidgenossenschaft gibt bei der Erneuerung ihrer Luftwaffe mit sechs Milliarden Franken zu viel Geld für teure Kampfflugzeuge aus und vernachlässigt die Bedrohung durch Marschflugkörper, ballistische Raketen und militärische Drohnen.

Als Land, das sich im Zentrum von Europa befinde und von Natostaaten umgeben sei, sei es kaum vorstellbar, dass eine feindliche Luftwaffe mit ihren Kampfjets bis in den Schweizer Luftraum vordringe, sagte der Amerikaner am Mittwochnachmittag bei einer von der SP organisierten Expertenanhörung im Bundeshaus. «Die Nato ist das stärkste Verteidigungsbündnis der Welt. Keine Luftwaffe könnte ihr das Wasser reichen.»

Als Konfliktszenario ist es laut Unbehauen allenfalls vorstellbar, dass Russland oder der Iran die Schweiz angreifen würden. Doch weder aufgrund der russischen noch aufgrund der iranischen Militärdoktrin seien Angriffe mit Kampfflugzeugen zu erwarten.

Wenn schon würden die Streitkräfte der beiden Länder die Eidgenossenschaft mit Marschflugkörpern und ballistischen Lenkwaffen attackieren – dagegen wären Kampfjets gemäss Unbehauen wirkungslos. Auch bei Angriffen mit Drohnen sei die bodengestützte Luftverteidigung die bessere Option als Kampfjets.

Für die Durchführung des Luftpolizeidienstes – eines der zentralen Argumente für den angestrebten Ersatzkauf der F/A-18-Flotte – reichten leichte Kampfflugzeuge fast immer aus, sagte Unbehauen. Nur etwa bei 40 Missionen jährlich sei die Schweizer Luftwaffe auf schwere Flieger angewiesen: Zu diesem Zweck könne die Armee auf ihre in den Neunzigerjahren beschafften F/A-18-Kampfjets zurückgreifen, erklärte Friedrich W. Ploeger, deutscher Generalleutnant im Ruhestand, der ebenfalls als Experte der Sozialdemokraten auftrat.

Die Jets würden in der Schweiz aufgrund des kleinen Territoriums zwar stärker beansprucht als in anderen Ländern. Dafür verfüge die Eidgenossenschaft über «junge Flugzeuge» und sei bekannt dafür, dass sie schonend damit umgehe.

SP weibelt für Billig-Variante der Kampfjets

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Statt der teuren Luxus-Flugzeuge setzt sich die SP für eine billigere Variante der Kampfjets ein. Tele M1 fragte nach, wie die Partei die Beschaffungspläne des Bundes ausbremsen will.

SP schlägt vor: eine statt sechs Milliarden für die Jets

Gestützt auf Unbehauens Expertenbericht schlagen die Sozialdemokraten vor, statt sechs Milliarden Franken für «Luxus-Kampfjets» nur eine Milliarde für leichte Kampfflugzeuge des italienischen Rüstungskonzerns Leonardo auszugeben. Typenbezeichnung: M-346FA. Im Gegenzug will die SP die Ausgaben für die Erneuerung der bodengestützten Luftverteidigung von zwei auf drei Milliarden Franken erhöhen.

SP-Fraktionschef Roger Nordmann kündigte an, seine Fraktion werde in der sicherheitspolitischen Kommission des Nationalrates einen Rückweisungsantrag einreichen mit dem Auftrag an den Bundesrat, den Planungsbeschluss zur Kampfjetbeschaffung zu überarbeiten. Eine Mehrheit dürfte ein solcher Antrag kaum finden.

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