Ständeratswahlen
Ursula Wyss im Spital Langenthal nicht erwünscht

Die SP-Ständeratskandidatin hätte auf ihrer gestrigen Tour auch das Spital Region Oberaargau besuchen wollen. Sie wurde im letzten Moment wieder ausgeladen. Ein Empfang wäre zu heikel gewesen, sagt der Verwaltungsrats-Präsident.

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SP-Nationalrätin Ursula Wyss (Archiv)

SP-Nationalrätin Ursula Wyss (Archiv)

Keystone

Zwölf Stunden war Ursula Wyss gestern im Oberaargau unterwegs. Die SP-Ständeratskandidatin besuchte etwa einen Bahnhof, ein Unternehmen und eine Kita. Im Spital Region Oberaargau (SRO) aber durfte sie nicht vorbeischauen – «auf Druck von Dieter Widmer», sagt Grossrat Markus Meyer, Präsident der SP Oberaargau. Widmer ist SRO-Verwaltungsratspräsident und BDP-Grossrat aus Wanzwil.

«Wir hatten angefragt, ob Ursula Wyss auch das Spital besuchen könne», sagt Markus Meyer. Nach einer anfänglichen Zusage von Spitaldirektor Andreas Kohli sei kurz darauf aber die Absage erfolgt. Die Begründung laut Meyer: Die SRO AG als Unternehmen im Eigentum des Kantons beteilige sich grundsätzlich nicht an parteipolitischen Veranstaltungen und wolle sich gerade im Vorfeld von Wahlen nicht exponieren. Die Absage hat bei Meyer Befremden ausgelöst und ein paar Fragen an den Regierungsrat.

Nur provisorische Zusage

Dieter Widmer bestätigt auf Anfrage den Sachverhalt. Allerdings sei die Zusage nur provisorisch erfolgt. Letztlich aber wäre ein Empfang von Wyss «zu heikel» gewesen, sagt er: «Als öffentliches Spital dürfen wir uns nicht in einen persönlichen Wahlkampf einer Kandidatin einspannen lassen.» Bei Wyss’ Besuch wäre es nicht um «eine sachliche Erörterung spitalpolitischer Fragen» gegangen, sondern um einen «zugegeben originellen Werbefeldzug».

Meyer könnte diese Antwort akzeptieren – «wenn die Spielregeln für alle gleich wären». Er erinnert an den 8. März 2010, als kurz vor den Grossratswahlen die FDP Langenthal zum «FDP Altersgipfel 2010» in den SRO-Vortragssaal lud. Thema: «Altersheime öffentlich oder privat». Widmer: «Das ist ein überparteiliches Podium zu einem spitalspezifischen Thema gewesen.»

«Ungleichbehandlung»

Ursula Wyss hätte gerne das Spital besucht und bedauert die Absage. «Die Spitalpolitik ist ein zu wichtiges Thema», sagt sie. Für Meyer ist es eine «offensichtliche Ungleichbehandlung einer bürgerlichen Partei und einer linken Politikerin». Und er stellt die Frage, ob es Regeln gibt für kantonseigene Unternehmen bezüglich Empfang von Politikern.

Die Berner Regierung wird diese heute in der Fragestunde im Grossen Rat beantworten. (joh)

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