«Unverständlich und willkürlich»

Der 64-jährige Landwirt Albin Huber fühlt sich stark benachteiligt. Er wirft den Gemeindebehörden vor, ohne Fingerspitzengefühl Wasserschutzzonen-Bestimmungen verfügt zu haben.

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Lukas Schumacher

Das Gebiet Gruebrain, auf dem sich zwei kleine Wasserquellen befinden, weist eine Besonderheit auf. Oberwil-Lieli ist zwar die dortige Standortgemeinde. Das Gebiet gehört aber zum Gemeindebann Unterlunkhofen. An den Hängen dieses hügeligen Umgeländes sind bis vor rund 100 Jahren Rebberge gepflegt und Gärten angelegt worden. Heute wird hier Ackerbau und Graswirtschaft betrieben. Den Boden bewirtschaften Eigentümer Albin Huber und ein Landwirtkollege.

Selbstverständlich müsse das Wasser der Gruebrain-Quellen vor Verschmutzung und Beeinträchtigung geschützt werden, sagt Albin Huber, das Wasser gelange ja in die Trinkwasserversorgung Unterlunkhofen. «Was ich kritisiere, sind die zu grosszügig ausgefallenen Grundwasserschutzzonen samt den einschneidenden Vorschriften für die landwirtschaftliche Nutzung.» Die Zonen seien teilweise willkürlich festgelegt worden. Den Gemeindebehörden Unterlunkhofen und Oberwil-Lieli mangle es an Verständnis und Fingerspitzengefühl.

«Rechtliches Gehör verweigert»

«Mitte 2009 lag der Reglementsentwurf zu den Schutzzonen bei den Quellen Gruebrain vor. Albin Huber schrieb eine Einsprache. Er schickte den Gemeindeammännern Martin Vifian und Andreas Glarner diverse Anregungen und Änderungsbegehren zu. So machte Huber auf den Ertragsausfall und den Minderwert seines Landwirtschaftslandes in den Schutzzonen 2 und 3 aufmerksam, schlug eine Verkleinerung der Schutzzone 2 im Nordwesten um 50 Meter sowie weitere Änderungen vor, regte einen Augenschein mit den Gemeindebehörden im Gelände an und stellte Fragen zur Ergiebigkeit der zwei kleinen Grueb-rain-Quellen und zu deren Wasserqualität.

Einsprecher Albin Huber hoffte vergeblich auf eine Unterredung mit Vertretern der Gemeindebehörden: «Während vier Monaten passierte nichts. Mir wurde das rechtliche Gehör verweigert.» Vor wenigen Wochen erhielt Huber ein Schreiben der beiden Gemeindebehörden. Sie teilten dem Landwirt mit, dass man seine Anträge und Begehren nicht berücksichtigen könne und dass er die Entschädigungsforderungen vertagen müsse, bis die Schutzzonen rechtskräftig verankert sind. Dem Schreiben lag die Verfügung des Schutzzonenreglements bei.

«Zweierlei Ellen»

Albin Huber ärgert sich nicht nur über die stattlich ausgefallenen Gruebrain-Schutzzonen. Ihm gibt auch zu denken, dass in den Schutzzonen 2 und 3 der Unterlunkhofer Wasserfassung Gehren «uneingeschränkt Mist, Gülle, Dünger und intensiver Ackerbau zugelassen wird». Zudem stehe in der Schutzzone 2 bei der Wasser-Quellfassung Rohrmätteli in Oberwil-Lieli ein Einfamilienhaus. Huber verweist auf die strikten Düngevorschriften sowie aufs Bauverbot in den Gruebrain-Schutzzonen, «Offenbar gelten bei uns zweierlei Ellen», hält der Landwirt fest.