Billagvertreter
Unterwegs mit einem Gebührenjäger

Einige finden, die Billag gehöre ins Museum. Sie möchten, dass künftig jeder Gebühren für Radio und Fernsehen bezahlt. Andere finden es gut, wie es ist. Noch gibt es die Gebühren. Doch nicht jeder zahlt sie. Deshalb sind Männer wie Christian Flury unterwegs – auch in Aarau. Der Billag-Mitarbeiter klärt Kunden in der Goldern in Aarau über ihre Gebührenpflicht auf.

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Unterwegs mit einem Gebührenjäger

Unterwegs mit einem Gebührenjäger

Deborah Balme

«Darf ich Sie Gebühreneintreiber nennen?», will die Journalistin von Christian Flury wissen. Damit ist er nicht einverstanden: «Ich bin nicht Gebühreneintreiber – ich bin Billag-Fieldmanager», sagt er. «Ich informiere unsere Kunden über die Melde- und Gebührenpflicht.» Nicht jeder, der daheim einen Fernseher und einen Radio hat, zahlt die jährliche Gebühr von 462Franken. Genau diese Menschen sucht Flury zu Hause auf. Christian Flury ist oft dann unterwegs, wenn andere Menschen nach der Arbeit gemütlich in den Feierabend eintauchen, vielleicht gerade den Fernseher einschalten. «Dring!», klingt es dann an der Haustür und durch den Gucker in der Tür sieht man Christian Flury. Bei der ersten Tür öffnet keiner.

So wie an diesem Abend in der Goldern. Sein Ziel sind die Wohnblöcke an der General-Guisan-Strasse. Es ist 17.45 Uhr. Flury steht bei den 15 Briefkästen beim Block, Strassennummer 45. In seinem Handcomputer schaut er nach, wer von den Bewohnern bei der Billag gemeldet ist. Drei Namen sind nicht registriert. Flury reagiert sofort: «Diese Dame und diese Herren muss ich besuchen.»

Christian Flury ist ein grosser, korpulenter Mann mit dunkler Kleidung. Jetzt fährt er mit dem kleinen Lift
in den vierten Stock hoch. Von ganz oben schreitet er die Treppe nach unten, immer auf der Suche nach den Namen, die nicht in seinem Computer stehen. Er drückt die erste Klingel. Erfolglos.

Beim zweiten Haushalt hat er mehr Glück. «Moment!», ruft eine Stimme aus der Wohnung. Ein junger Mann öffnet in Shorts und T-Shirt. Christian Flury stellt sich vor und stellt die entscheidende Frage: «Haben Sie einen Radio und einen Fernseher?» Der junge Mann verneint: «Noch nicht», sagt er und ergänzt, dass er mit dem neuen Gesetz doch sowieso nichts mehr zahlen müsse. «Was für ein neues Gesetz meinen Sie da?», fragt Flury streng. Das sei etwas, was vielleicht in Zukunft aktuell werde, klärt Flury auf und nimmt den Namen des jungen Mannes auf. Er wird in den nächsten Tagen eine Rechnung erhalten: rückwirkend auf die Zeit, seit er hier wohnt und keine Gebühren zahlte.

Der junge Mann erschrickt

Flury hat schon erlebt, dass jemand behauptete, keinen Fernseher zu haben, während im Wohnzimmer ein riesiger Flachbildschirm zu sehen war. «Ich fragte dann, ob dies das Fenster zum Hof sei», erinnert sich Flury. Er
ist in der halben Deutschschweiz als Gebühren-Detektiv unterwegs, heikle Situationen hat er noch nie erlebt.

Nur ganz wenige Leute würden richtig böse werden, wenn sie «ertappt» würden. Flury achtet aber auch auf sein eigenes Verhalten: «Ich benehme mich so, dass ich jederzeit wieder zu einem Kunden kommen kann.»

Bei der dritten Haustür im selben Block öffnet erneut ein junger Mann. Im Hintergrund hört man den Fernseher laufen. Vor einem halben Jahr sei er hierhergezogen – er zahle Cablecom. «Das reicht nicht», klärt Flury auf. Der junge Mann erschrickt: «Was, 115Franken soll ich künftig im Quartal zahlen?» Doch er bleibt freundlich. Beim Abschied geben sich die beiden Männer die Hand.

Flury weiss von Familien, die im März das Fernsehgerät in den Keller stellen und erst im Oktober wieder hochholen. «Die dürfen sich dann für diese fernsehfreie Zeit abmelden», so Flury. Deshalb findet er es gerechter, wenn es so bleibt mit den Gebühren wie bis anhin.

Nach zwei weiteren Blocks und ein paar weiteren Besuchen macht auch Christian Flury Feierabend. Erst in zwölf bis vierzehn Monaten wird er genau hier bei diesen Blocks wieder vorbeikommen.