Hans Fahrländer

Warum die FHNW in der neuen Leistungsperiode 2009-2011 bei den vier Trägerkantonen höhere Beiträge beantragte, dafür gab es Begründungen: Zunahme der Studierenden um über 20%, Integration neuer Schulen (Institut für Spezielle Pädagogik, Basler Musikhochschule), Aufbau von rund 20 Masterstudiengängen, sinkende Beiträge des Bundes etc.

Ohne sich gross um die Folgen zu kümmern, hat zum Beispiel der Aargauer Grosse Rat im November 2008 den geforderten Dreijahresbeitrag gekürzt. 234 Mio. Franken sind ja immer noch viel Geld und sparen muss man schliesslich überall.

Was heisst das konkret?

Inzwischen lebt man an der FHNW seit einem guten halben Jahr mit dem neuen Finanzkorsett. Als Erster hat nun der Verband der Fachhochschuldozierenden Nordwestschweiz auf die konkreten Folgen der Spar-übung aufmerksam gemacht.

«Die Dozierenden und wissenschaftlichen Mitarbeitenden, die für Lehre und Forschung verantwortlich sind, sollen einfach mehr und schneller arbeiten - und schon stimmt die Rechnung!», empört sich ihr Präsident, Professor Norbert Hofmann.

«An einzelnen Hochschulen werden Kurse anstatt wie bisher mit 90 nur noch mit 60 Stunden eingetragen - und schon hat man eine wesentliche Ein- sparung getätigt!» Oder: «Die Grösse der Studierenden-Gruppen wird zum Teil markant erhöht, damit werden die Betreuungsverhältnisse verschlechtert - doch die Buchhaltung stimmt!»

Schliesslich: «Der Unterricht wird zugunsten des Selbststudiums zurückgestuft, die Betreuungszeit des Dozierenden teils unzulänglich vergütet - und schon hat man wieder Geld gespart!» Hofmanns Folgerung: «Es darf bezweifelt werden, dass die Qualität des Unterrichts trotz diesen einschneidenden Massnahmen erhalten bleibt.»

Schmerzgrenze überschritten

«Lehrerverbände warnen vor Lehrermangel, es droht ein riesiger Mangel an Gesundheitspersonal, Ingenieure gibt es jetzt schon zu wenige - und die Politik spart an der Qualität der Bildung, das kann doch nicht sein!», ereifert sich Norbert Hofmann. «Die Dozierenden und wissenschaftlichen Mitarbeiter sind nicht mehr bereit, weiterhin zusätzliche Arbeit zu leisten», betont er.

«Es geht nicht an, dass von uns längerfristig erwartet wird, auf eigene Kosten, das heisst auf Kosten von Gesundheit, Familie und Erholungszeit, das Budgetdefizit zu kompensieren.» Unbefriedigend sei auch, dass immer mehr Dozierende mit variablen Pensen (Rahmenverträgen) angestellt würden, was für ihre Einkommenssituation sehr belastend sei.

«Wir haben unseren Beitrag an Effizienzsteigerung bereits über die Schmerzgrenze hinaus geleistet», gibt sich Hofmann überzeugt. Er sorgt sich indessen nicht nur um die Dozierenden und wissenschaftlichen Mitarbeitenden, sondern um die Hochschule als Ganzes: Die FHNW gelte als Spitzenschule und habe einen hervorragenden Ruf zu verteidigen.

«Will sich die Nordwestschweiz mit ihrer Fachhochschule weiterhin profilieren, muss sie für diese auch finanziell und personell die Verantwortung tragen», sagt der Präsident der Dozierenden.