Versammlung

Unter Druck: Die spontane Wahl in den Gemeinderat

Ittenthal: Mit der Fusion in Kaisten gibt es in Ittenthal keine Versammlungswahlen mehr. (sh)

Ittenthal

Ittenthal: Mit der Fusion in Kaisten gibt es in Ittenthal keine Versammlungswahlen mehr. (sh)

Einzelne Dörfer im Fricktal wählen den Gemeinderat und die Kommissionsmitglieder während einer Versammlung. Das finden nicht alle vorteilhaft. Immer weniger Fricktaler Dörfer küren ihre Exekutive so.

Silvan Hartmann

Für die Versammlungswahlen treffen sich die Stimmbürger in einem öffentlichen Lokal und wählen dort, vielfach spontan, den Gemeinderat und die Kommissionsmitglieder für die nächsten vier Jahre. Im Fricktal kennt man dieses Wahlsystem in Hellikon, Ittenthal, Etzgen, Sisseln, Oberhof, Olsberg oder Wölflinswil. In Etzgen und Ittenthal gibt es dieses Jahr aber erstmals keine Versammlungswahl mehr, denn die beiden Gemeinden haben per 1. Januar 2010 mit Nachbargemeinden fusioniert.

Spontane Kandidatensuche

Versammlungswahlen haben Vor- und Nachteile. So müssen sich die Kandidaten - im Gegensatz zu den herkömmlichen Wahlen - nicht im Voraus für das Amt anmelden. Die Stimmbürger entscheiden häufig spontan, wer die nächsten vier Jahre im Gemeinderat sitzen wird. Das hat Peter Kalt - er ist noch bis zur Fusion mit Kaisten Gemeindeammann von Ittenthal - vor zehn Jahren hautnah miterlebt. Damals wurde er, ohne es vor der Versammlungswahl zu wissen, zum Gemeinderat vorgeschlagen. «Ich hätte an einem Abend spontan über meine nächsten vier Jahre entscheiden sollen», erinnert sich Kalt. Da ich es unseriös finde, sich spontan für ein Amt zu entscheiden, wollte ich mir diesen Schritt genau überlegen.» Bei der nächsten Versammlung, einige Wochen später, hat sich Kalt dann als Gemeinderat zur Verfügung gestellt: «So ist es Zufall, dass ich in der Politik gelandet bin.»

«Eine schöne Tradition», findet Roger Fricker, SVP-Grossrat und Gemeindeammann von Oberhof, die Versammlungswahlen. Doch Fricker sieht auch die negativen Aspekte: «Weil die Versammlungswahlen meist an einem Wochenende über die Bühne gehen, ist es gut möglich, dass man einmal verhindert ist. In diesem Fall gibt es keine Möglichkeit, trotzdem an der Wahl teilzunehmen», sagt Fricker. Der Gemeinderat von Oberhof hat deshalb auch schon die Abschaffung der Versammlungswahlen diskutiert. Bisher habe sich der Gesamtgemeinderat aber immer für die Versammlungswahlen ausgesprochen. Ein anderer Negativpunkt sei das Risiko, nicht alle Ämter besetzen zu können, sagt Fricker. Nachdem in Oberhof die Bevölkerung kein Interesse für den Wahl-Informationsabend gezeigt hat, ist dieses Szenario nicht mehr so abwegig. In diesem Fall würden im Abstand von zwei Wochen Versammlungswahlen durchgeführt. So lange, bis das Amt besetzt wird - genauso wie es in Ittenthal bei der Wahl von Peter Kalt geschehen ist.

Glücklich mit dem Wahlsystem

Auch in Wölflinswil dachte man schon über eine Änderung des Wahlsystems nach. Die Idee entschwand aber schnell wieder aus den Köpfen. «Die Versammlungswahl hat eben auch mit Tradition zu tun. Die Verbundenheit bei Versammlungswahlen ist grösser», sagt Rolf Dunkel, Gemeindeschreiber von Wölflinswil. Die Bevölkerung habe nie die Abschaffung der Versammlungswahl gefordert. «Deshalb ist der Gemeinderat überzeugt, das richtige Wahlsystem zu haben und in nächster Zeit wird es wohl auch keine Änderungen geben.»

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