«Unser Ziel sind 20 Grossratssitze»

Am Sonntag feiert die BDP Kanton Bern an einem Parteifest in Walperswil ihr einjähriges Bestehen. Parteipräsidentin Beatrice Simon-Jungi hält Rück- und Ausschau.

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Solothurner Zeitung

Bruno Utz

Beatrice Simon

Seit 2006 Grossrätin und Mitglied der Justizkommission. Seit 2003 ist sie zudem Gemeindepräsidentin ihres Wohnortes Seedorf. Simon ist Marketingverantwortliche in einem KMU. Die 49-Jährige ist seit 1982 verheiratet und Mutter zweier Töchter. (uz)

Vor einem Jahr gehörten sie zu den Gründern der ersten BDP-Kantonalpartei. Würden Sie den Schritt wieder tun?
Beatrice Simon: Ja, auf jeden Fall. Allerdings muss ich zugeben, dass die Arbeit unheimlich aufwändig ist. Aber die Sache ist es mehr als wert.

Weshalb?
Simon: Weil ich mich wieder wohl fühle in einer Partei, wo ich so politisieren kann, wie ich mir das vorstelle. Sicher vertritt nicht nur meine Partei die einzig richtigen Ansichten. Man muss offen sein für andere Meinungen, das erlebe ich auch immer wieder als Gemeindepräsidentin. Bei der SVP hörte ich ab und zu, der Vorstoss wäre zwar gut, aber die Idee kommt aus der falschen Küche.

Die SVP politisiert «anständiger». Ist das ein Verdienst des BDP-Erfolgs?
Simon: Eine temporäre Zurückhaltung mag es gegeben haben. Nach meinem Dafürhalten hat sich bei der SVP Schweiz diesbezüglich jedoch wenig geändert. So titulierte kürzlich Parteipräsident Toni Brunner Bundesrätin Micheline Calmy-Rey als Landesverräterin. Es gibt noch weitere Beispiele.

Wie sind Sie mit der Entwicklung der BDP Kantonalpartei zufrieden?
Simon: Wir haben übertroffen, was wir uns bei der Gründung vorgestellt haben: Wir haben 35 Sektionen, alle 9 Wahlkreisverbände sind gegründet und die Partei zählt mehr als 2400 Mitglieder. Zudem haben wir im vergangenen Herbst an acht Gemeindewahlen teilgenommen und gehörten überall zu den Wahlsiegerin. Was will man da noch mehr.

Im August sollen in Langenthal und Niederbipp neue Sektionen entstehen. Wer wird sie präsidieren?
Simon: Die beiden erwähnten Sektionen sind am entstehen. Zu den personellen Besetzungen kann ich noch nichts sagen. Auch in einigen anderen Orten sind weitere Sektionen in Gründung.

Die BDP strebt ein flächendeckendes Sektionsnetz an?
Simon: Ja, das ist den Leuten sehr wichtig. Wir merkten, dass sie zwar gerne der Kantonalpartei angehören, aber eine Sektion in der näheren Umgebung begrüssen. Das unterschätzten wir anfänglich.

Jede Sektion benötigt Personal, findet die BDP genügend Freiwillige?
Simon: Ja, die Leute sind gerne bereit mitzuarbeiten. Das war bei der SVP anders.

Gibt es Regionen, wo die BDP untervertreten ist.?
Simon: Sicher sind wir im Oberland noch nicht so stark vertreten. Gerade dort hören wir jedoch ziemlich oft von Leuten, das Herz hätten sie bei uns, sie könnten aber nicht von der SVP zur BDP wechseln, etwa aus geschäftlichen Gründen oder weil sie Druck spürten. Wir gehen davon aus, dass solche Aussagen zutreffen. Alleine mit unseren Mitgliedern hätten wir die bisherigen Wahlerfolge gar nicht feiern können. Es brauchte die Sympathisanten.

35 Prozent der Mitglieder sind Frauen. Was macht die BDP für die Frauen so attraktiv?
Simon: Das müsste man die Frauen selber fragen. Ich erlebe aber häufig, dass gerade Frauen das menschenverachtende Verhalten der SVP nicht goutieren. Auch mitspielen mag, dass viele Frauen bei der SVP nicht gefördert wurden. Bei der BDP stellen sie hingegen fest, dass bei uns alles möglich ist. Dass die Frauen gleichwertige Partner sind, wird bei uns nicht nur gesagt, sondern gelebt.

Können Sie auch Aussagen zum Altersdurchschnitt der Mitglieder machen?
Simon: Nein, dazu bestehen keine Erhebungen. Aber sicher ist, dass die BDP keine Altherrenpartei ist, wie dies anfänglich behauptet wurde. Bei uns machen sehr viele 30- bis 40-Jährige mit.

Ein 17-Jähriger präsidiert die Sektion Jäissberg.
Simon: Jan Gnägi (Jens) bringt mich immer wieder zum Staunen. Er hat schon an der Gründungsversammlung in Münsingen teilgenommen. Unser Credo ist, die Jungen einzubinden und sie an vorderster Front miterleben lassen, was Politik machen heisst.

Anfänglich quoll das Gästebuch auf der Homepage über, jetzt sind die Einträge zahlenmässig verflacht. Weshalb?
Simon: Anfänglich diente das Gästebuch vor allem als Plattform für die Kommunikation; es gab ja noch keine Sektionen. Das hat sich geändert, die meisten Sektionen besitzen eine eigene Homepage. Das Gästebuch dürfte bald ausgedient haben.

Nach den Gemeindewahlen steht die grosse Bewährung im März 2010 an. Wieviele der 17 Grossrätinnen und Grossräte werden wieder antreten?
Simon: Ich vermute, dass zwei oder drei Räte verzichten werden.

Wie viele Mandate strebt die BDP an?
Simon: Unser Ziel sind 20 Grossratsmandate. Ohne den parteilosen Matthias Kurt entspricht das einem Plus von vier Sitzen.

Die BDP tritt in allen Wahlkreisen an?
Simon: Selbstverständlich. Und wir wollen überall volle Listen präsentieren.

Bei Sachabstimmungen im Grossen Rat sind zwischen BDP und SVP häufig keine Unterschiede feststellbar.
Simon: Wir behaupteten nie, dass wir uns punkto bürgerlichen Interessen völlig anders verhalten würden. Deshalb drücken wir häufig den gleichen Knopf wie SVP und FDP. Aber Unterschiede gibt es durchaus. So lehnten wir, im Interesse einer umfassenden Steuergesetzrevision, den rückwirkenden Steuerrabatt ab. Auch bei Harmos sind Differenzen zur SVP absehbar. Und dem Investitionsfonds haben wir als einzige bürgerliche Partei zugestimmt.

Sie erwarten, dass die SVP-Delegierten nächste Woche zu Harmos die Nein-Parole beschliessen ?
Simon: Das weiss ich nicht. Fakt ist jedoch, dass die SVP im Pro-Komitee zu Harmos nicht vertreten ist.

Finanzdirektor Urs Gasche will erst nach den Sommerferien über eine erneute Kandidatur informieren. Wie wichtig ist Gasche als Zugpferd?
Simon: Dass bei der Gründung wichtige Exponenten wie Bundesrat Samuel Schmid, Ständerat Werner Luginbühl und Finanzdirektor Urs Gasche mit dabei waren, war sehr entscheidend für die BDP. Sie hatten eine Sogwirkung. Es wäre schade, wenn Urs Gasche verzichten würde. Aber wir haben auch andere Personen, die ein Regierungsamt ausüben könnten.

Wer, Beatrice Simon?
Simon: Zur Zeit führen wir verschiedene Gespräche und es ist denkbar, dass wir auch mit einer Frau antreten. Meine Person steht nicht im Vordergrund, ich habe als Parteipräsidentin genügend Arbeit.

Wann nominiert die BDP
Simon: Wir nominieren voraussichtlich am 24. August.

Wir die Regierung 2010 wieder mehrheitlich bürgerlich?
Simon: Das Wiedererlangen der bürgerlichen Mehrheit ist für uns absolut prioritär. Dies wäre mit je einer Kandidatur von SVP, FDP und BDP und einer gemeinsamen Jura-Kandidatur möglich gewesen. Doch es scheint, dass dies für SVP und FDP nicht mehr denkbar ist, weil sie signalisierten, mit je zwei Kandidaten anzutreten.
Mit welchem Budget bestreitet die BDP den Wahlkampf 2010?
Simon: Eine Zahl kann ich noch nicht nennen. Als junge Partei verfügen wir über keine Wahlreserven. Das ist auch eine Chance, weil wir besonders kreativ sein müssen.

In ihrem ersten Präsidialjahr haben sie sich als Parteipräsidentin etabliert. Bleiben Sie an der Spitze?
Simon: Sicher. Mein Ziel ist, die BDP zu einer erfolgreichen Partei zu machen.

Infos zum Fest: www.bdp-be.info/