UNO-Klimasekretariat

UNO-Klimachef Yvo de Boer kündigt Rücktritt an

De Boer tritt im Sommer zurück (Archiv)

De Boer tritt im Sommer zurück (Archiv)

UNO-Klimachef Yvo de Boer hat zwei Monate nach dem Desaster des Weltklimagipfels von Kopenhagen überraschend seinen Rücktritt angekündigt. Der 55-jährige Niederländer spielte jahrelang eine Schlüsselrolle bei den globalen Klimaschutz-Verhandlungen. Nun wechselt er in die Privatwirtschaft.

Yvo de Boer stand seit September 2006 an der Spitze des UNO-Klimasekretariats in Bonn. Er wird zum 1. Juli dieses Jahres sein Amt vorzeitig aufgeben. Sein derzeitiger Vertrag wäre noch bis zum September gelaufen. Namen für einen Nachfolger wurden noch nicht genannt.

Nach eigenen Angaben will de Boer zum privaten Beratungsunternehmen KPMG wechseln und dort internationaler Berater für Klimaschutz und ökologische Nachhaltigkeit werden. Ausserdem werde er mit einigen Universitäten zusammenarbeiten.

De Boers vorzeitiges Ausscheiden dürfte Erschütterungen auslösen beim Fortgang der Verhandlungen unter dem Dach der Vereinten Nationen. In einer persönlichen Erklärung zu seinem Rückzug hielt sich de Boer mit Kritik an dem seit Jahren schleppenden Verhandlungsprozess für ein neues Weltklima-Abkommen zurück.

Mit zu seiner Entscheidung dürfte auch das Scheitern des Kopenhagener Gipfels beigetragen haben. Bei dem taktierenden Ringen der Staats- und Regierungschefs wurde de Boer in eine ungewohnte Aussenseiterrolle abgedrängt. Die politische Konfrontation zwischen den USA und China und der Unmut vieler Länder bestimmte schliesslich wesentlich den Ausgang der Verhandlungen.

Yvo de Boer hatte im Schulterschluss mit UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon im Vorfeld auf ein substanzielles Ergebnis gedrängt und immer wieder vor den verheerenden Folgen der fortschreitenden Erderwärmung gewarnt. Besonders die Industriestaaten hätten die Verpflichtung, mehr für den Klimaschutz zu tun und ihre Treibhausgase stärker zu mindern.

Es sei für ihn eine "schwierige Entscheidung" gewesen, erklärte de Boer jetzt. "Aber ich glaube, die Zeit ist reif für mich, eine neue Herausforderung zu übernehmen." Sein Wechsel in die Privatwirtschaft signalisiere auch die Bedeutung dieses Sektors für den Klimaschutz.

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