Affäre Mörgeli
Universität Zürich und Bildungsdirektion müssen sich erklären

Gregor Rutz, Vizepräsident der Zürcher Kantonalpartei und Kantonsrat, fühlt sich in seinen Befürchtungen bestätigt. «Der Fall Mörgeli soll verschleppt werden», sagte er gestern Abend auf Anfrage.

Jürg Krebs
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Aufsichtskommissionspräsident Portmann nach der Sitzung: Mörgeli wurde nicht angehört – noch nicht.

Aufsichtskommissionspräsident Portmann nach der Sitzung: Mörgeli wurde nicht angehört – noch nicht.

Keystone

Zuvor hatte Hans-Peter Portmann (FDP, Thalwil), Präsident der kantonsrätlichen Aufsichtskommission Bildung und Gesundheit (ABG), verkündet, dass die Befragung von Unirektor Andreas Fischer und Bildungsdirektorin Regine Aeppli andauern werde.

Zwar sei die Anhörung der beiden in einer guten Atmosphäre verlaufen, so Portmann. Beide hätten ihre Sicht der Dinge rund um die Affaire Mörgeli dargestellt. Jedoch hat die Aufsichtskommission laut Portmann aber beschlossen, weitere Fragen zuhanden von Bildungsdirektion und Universität zu sammeln und schriftlich einzureichen.

Entscheide fallen im November

Über die Antworten werde am 8. November 2012 beraten. Auch das weitere Vorgehen, so Portmann, werde dann erörtert. Noch ist offen, ob die Aufsichtskommission eine Untersuchung einleitet, wie dies etwa die SVP fordert. In diesem Falle würde auch Christoph Mörgeli als Direktbeteiligter befragt. Das Gehör wurde Mörgeli gestern noch verweigert.

Für Gregor Rutz ist der Entscheid der Aufsichtskommission unverständlich. Bis im November verstreiche wichtige Zeit. Das spiele jenen Kreisen in die Hände, welche die Vorgänge rund um die angekündigte Entlassung von Mörgeli als Oberassistent des Medizinhistorischen Instituts und Leiter von dessen Museum vertuschen wollten. Alle hätten genügend Zeit, belastende Spuren für die Indiskretionen zu verwischen. «In solchen Fällen muss man doch schnell handeln», so Rutz, «ganz unabhängig davon, ob es um Christoph Mörgeli geht oder nicht.»

Willy Haderer (SVP, Unterengstringen), Mitglied der elfköpfigen Aufsichtskommission, ist nicht ganz so pessimistisch wie Rutz. Zwar sei die SVP an der Sitzung mit ihrer Forderung nach einer Untersuchung unterlegen, «wir haben für die Aufarbeitung des Falles aber keine schlechte Basis gelegt», sagte er auf Anfrage. Die Untersuchung sei nicht vom Tisch, der Entscheid nur aufgeschoben. Für Haderer ist klar, dass sowohl Christoph Mörgeli wie auch dessen Chef und Institutsleiter Flurin Condrau von der Aufsichtskommission befragt werden müssen. Haderer: «Wie sonst soll ein Gesamtbild entstehen können?»

Parteien über Auftrag uneins

Der Auftrag der Aufsichtskommission war bereits an der Kantonsratssitzung vom Montag Thema. Während die SVP eine Untersuchung gefordert hatte, verlangte die FDP «Augenmass». Bevor die Aufsichtskommission eine Untersuchung einleite, müsse die Rechtmässigkeit einer Kündigung von Christoph Mörgeli vor Gericht geklärt werden. Die SP sprach von einem «klassischen Personalkonflikt» zwischen Angestelltem Mörgeli und Chef Condrau respektive Arbeitgeber Universität Zürich. Die SVP spricht analog zu ihrem Nationalrat Mörgeli von Mobbing und einem von langer Hand vorbereiteten Rauswurf.

Condrau steht bei der SVP, aber auch bei Mörgelis Anwalt in Verdacht, Urheber der Indiskretionen zu sein. Diese hatten zur Eskalation der Situation und schliesslich zur Ankündigung von Entlassung und Freistellung von Mörgeli durch Rektor Fischer am letzten Freitag geführt.

Fragenkatalog innert Wochenfrist

Laut Haderer hat die Aufsichtskommission nun die Aufgabe gefasst, Informationen zu beschaffen. Das sei aber keine Voruntersuchung. Haderer selbst ist damit beauftragt, bis zum 8. Oktober die Fragen zu sammeln, die dann Fischer und Aeppli vorgelegt werden sollen. Die Informationsbeschaffung soll Klarheit bringen, wie es am Medizinhistorischen Institut so weit kommen konnte. Arbeitsrechtliche Belange sind laut Haderer ausgeklammert, das sei Sache eines Gerichts.