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Uni Zürich: Etwas weniger international bitte

Der Kantonsrat will höhere Gebühren für ausländische Studierende. Die Regierung ist nicht begeistert, will diesem Wunsch aber nachkommen. Die Frage ist, wie stark die Erhöhung ausfallen soll.

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Keystone

Thomas Marth

Die zwei Postulate waren vom Kantonsrat am 8.März für dringlich erklärt worden. Pflichtgemäss erstellte der Regierungsrat innert vier Wochen einen Bericht. In diesem tat er kund, warum er von höheren Studiengebühren für Ausländer nicht allzu viel hält. «Die Internationalisierung ist ein strategisches Ziel der Zürcher Hochschulen», schrieb er zum Beispiel. Dennoch erklärte er sich bereit, die Vorstösse entgegenzunehmen. Gestern hat sie der Kantonsrat an ihn überwiesen. Der Regierungsrat hat nun ein Jahr Zeit, um einen ausführlichen Bericht zu verfassen und allfällig Anträge vorzulegen.

Der Vorstoss der SVP will, dass sich die Gebühren für ausländische Studierende an den effektiven Kosten orientieren - die sehr hoch sein können. Sie betragen je nach Fach zwischen 13000 und 55000 Franken pro Jahr. Die Studiengebühr beläuft sich heute auf 680 Franken pro Semester, also pro Halbjahr. Der Vorstoss der CVP ist moderater, da er lediglich «substanziell höhere» Gebühren verlangt - und das auch nur für ausländische Studierende im Grundstudium. Doktoranden und Absolventen einer Master-Weiterbildung blieben somit von einer Erhöhung verschont.

1000 Franken mehr?

Was der Regierungsrat unter «substanziell» verstehen könnte, hatte Bildungsdirektorin Regine Aeppli kürzlich in einem Interview ausgeführt: einen Zuschlag von 1000 Franken pro Jahr auf die regulären Studiengebühren. CVP-Postulant Jean-Philippe Pinto (Volketswil) opponierte gestern im Rat nicht gegen diese Auslegung seiner Forderung. «Ohne höhere Studiengebühren wird die Zahl der Studierenden aus dem Ausland weiterhin rasant zunehmen», begründete er seinen Vorstoss. Er verwies auf die steigende Beliebtheit von Schweizer Universitäten vor allem bei Abiturienten aus Deutschland. «Einem solchen Ansturm können die Zürcher Hochschulen nicht mehr standhalten.»

SVP-Postulant Matthias Hauser ( Hüntwangen) stört sich vor allem daran, dass bei ausserkantonalen Studierenden deren Heimatkanton zu einem grossen Teil die Differenz zwischen der Studiengebühr und den effektiven Kosten ausgleicht, während für ausländische Studierende ein solcher Mechanismus heute fehlt. Schlechte Betreuungsverhältnisse an deutschen Universitäten seien der Grund, warum viele Deutsche lieber hier studierten, meinte er. Halte dieser Trend an, führe dies auch hierzulande zu einer ungenügenden Betreuung der Studierenden.

Nur noch Millionärssöhne?

Während sich SVP und CVP gegenseitig unterstützen, lehnten SP und Grüne beide Postulate ab. «Die Folge wäre, dass aus dem Ausland nur noch Millionärssöhne und nicht mehr die Besten an unsere Unis kommen», sagte Markus Späth (SP, Feuerthalen). Es drohe der Abstieg in die Provinzialität. Claudia Gambacciani (Grüne, Zürich) wies darauf hin, dass es auch Schweizer gibt, die im Ausland studieren - rund 6500 sind es. Angesichts anhaltenden Fachkräftemangels in der Schweiz mache es zudem Sinn, auch akademischen Nachwuchs aus dem Ausland an hiesigen Universitäten auszubilden.

Kantonshaushalt unter Druck

Bildungsdirektorin Aeppli rief dazu auf, die Relationen zu wahren. Der Anteil Ausländer im Grundstudium betrage in Zürich acht Prozent. «Unter einem Ansturm verstehe ich etwas anderes.» Im Übrigen verwies sie darauf, dass der Rat allenfalls nicht bis zur Fertigstellung des regierungsrätlichen Berichtes in einem Jahr warten muss, um sich mit der Höhe der Studiengebühren zu befassen. Beim in Vorbereitung stehenden kantonalen Sanierungspaket San10 werden nämlich auch die Zürcher Hochschulen nicht ungeschoren davonkommen. Höhere Studiengebühren - ob für alle oder nur für Ausländer - könnten als Ausweg gesehen werden, um Einsparungen im Hochschuletat zu kompensieren.

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