Nehmen wir die Credit Suisse. Letztes Jahr tauchte die Aktie auf unter zehn Franken. Jeder wusste, dass der Titel der unsinkbaren Bank bald wieder ansteigen würde. Wenige Monate später war die Aktie 50 Prozent mehr wert. Wer Millionen einsetzen konnte, wurde schnell noch viel reicher. Gerade dank den globalisierten Finanzmärkten ist es leicht, Vermögen zu vermehren, ja zu vervielfachen. Ohne eigene Arbeit, ohne eigenes Zutun. Vom Golfplatz aus und erst noch steueroptimiert.

Das Problem dabei ist: Während die Einen immer reicher werden, kommen die vergleichsweisen Habenichtse (und das sind 90 Prozent der Schweizer Bevölkerung) immer weniger auf einen grünen Zweig. Arbeit lohnt sich für viele immer weniger. Nicht nur, weil viele Löhne kaum mehr steigen oder gar sinken. Sondern weil Abgaben wie Krankenkassenprämien stetig steigen und immer grössere Teile des Budgets auffressen. Viele Familien leben von der Hand in den Mund. Reserven anlegen – Vermögen generieren! – können sie nicht mehr.

Die Schweiz war seit den Nachkriegsjahren ein Hort der Stabilität und des sozialen Friedens. Auch weil die reichen Unternehmer damals ihre Steuern solidarisch im eigenen Land zahlten und der Staat somit genügend Geld hatte für seine Aufgaben. Weil es der grossen Mehrheit gut ging, weil sie anständig verdiente und einigermassen sichere Stellen hatte, weil sie sich auf eine anständige AHV-Rente verlassen konnte. Spätestens seit der Abstimmung über die Altersreform wissen wir, dass auch das nicht mehr unbedingt so ist.

Gut möglich, dass die Initiative der Juso zu weit geht, dass es bessere Lösungen gibt. Doch das Problem der Vermögensverteilung ist real, es ist eine tickende gesellschaftspolitische Zeitbombe. Es sorgt für Unzufriedenheit, Missstimmung, Angst im Land. Höchste Zeit, dass die Politik das Problem ernsthaft angeht. Um mehr Steuergerechtigkeit führt dabei kein Weg herum.

henry.habegger@azmedien.ch