Zahlensalat beim Bund
Unglaublich: 11 Schweizer bitten die Schweiz um Asyl

Seit 2008 haben 11 Schweizer in der Schweiz Antrag auf Asyl gestellt. Zudem nahm der Bund Deutsche, Franzosen und Österreicher vorläufig auf, weil eine Rückführung unzumutbar ist. Da staunen selbst die Experten in Bern über ihre eigene Statistik.

Pascal Meier
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«Bleiberecht für alle»

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Keystone

Nigeria, Eritrea und Sri Lanka: Die meisten der 15'567 Asylgesuche, die 2010 in der Schweiz eingereicht wurden, stammen von Menschen aus diesen Staaten. Am anderen Ende der Liste jedoch steht ein Land, das man hier am wenigsten vermuten würde: Die Schweiz.

Denn im vergangenen Jahr hat auch eine Person mit Schweizer Pass um Asyl in der Schweiz gebeten. Kein Einzelfall: Laut Statistik des Bundesamtes für Migration haben 2008 drei Schweizer Asyl in ihrem eigenen Land beantragt, 2009 waren es sechs und 2010 einer.

Schweizer, die Schutz in der Schweiz suchen? Da kommen selbst die Experten vom Bundesamt für Migration ins Grübeln. «Wir haben auch gestutzt», sagte Mediensprecher Michael Glauser, nachdem die az das Bundesamt auf die Schweizer Asylsuchenden in der Statistik aufmerksam gemacht hat. Es handle sie dabei um Fehlbuchungen: «Die betreffenden Asylsuchenden wurden in der Schweiz geboren, haben aber andere Nationalitäten.»

Auch Franzosen suchen Schutz in der Schweiz

Der Asylstatistik hält noch andere Überraschungen bereit: So prüft der Bund derzeit Asylgesuche von sechs Deutschen, vier Franzosen und einem Österreicher – alles Länder, deren Bürger wohl kaum an Leib und Leben bedroht sind.

Umso mehr erstaunt es, dass die Hälfte dieser Asylsuchenden vorläufig in der Schweiz aufgenommen wurden. Personen mit dem Bescheid «Vorläufig aufgenommen» erhalten zwar kein Asyl, werden aber momentan nicht in ihr Heimatland zurückgeschickt. Dies ist der Fall, wenn eine Wegweisung unzulässig (Verstoss gegen Völkerrecht), unzumutbar (Gefährdung des Ausländers) oder unmöglich (technische oder administrative Probleme) ist. Zugespitzt heisst das: Frankreich hat in der Statistik einen ähnlichen Status wie Nigeria, Österreich wie Eritrea und Deutschland wie Sri Lanka.

Bundesamt für Migration

Auf diese Zahlen angesprochen geht das Bundesamt nochmals über die Bücher. Und räumt weitere Fehler ein: «Auch hier wurden eine falsche Nationalitäten eingetragen», sagte Michael Glauser. Die betreffenden Gesuchsteller seien Ausländer, die in Deutschland, Frankreich oder Österreich geboren wurde. «Hier wurden Tippfehler gemacht», gibt Glauser zu.

Schweizer will Asyl in Österreich

2010 hat ein Schweizer Asyl in Österreich beantragt. Das Gesuch wurde weder bewilligt noch abgelehnt und wird in der Statistik unter «sonstige rechtskräftige Erledigungen» geführt. Details gibt das Bundesministerium für Inneres in Wien nicht bekannt. «Wir erhalten jedes Jahr ein bis zwei Gesuche von Schweizern, Deutschen oder Amerikanern», sagte ein Sprecher der az. «Dies ist nichts Ungewöhnliches.» Eher ungewöhnlich ist der Fall eines Schweizers, der 2007 in Weissrussland um Asyl ersuchte. In seinem Auto sowjetischer Bauart fanden die Zöllner die gesammelten Werke Lenins. Der Mann wurde in ein Asylzentrum gebraucht, bis die Behörden ein paar Tage später das Asylverfahren eröffneten - doch da war der Schweizer schon wieder weg.

Das Bundesamt für Migration will die entdeckten Fehler sofort korrigieren und die Statistik neu auflegen. Betroffen sind mindestens die Statistiken der vergangenen drei Jahre sowie die Monatsberichte dieses Jahres.

Sind denn die Asylzahlen des Bundesamtes für Migration überhaupt noch aussagekräftig? «Ja», sagte Michael Glauser. Man müsse dabei die Grössenordnung von rund 15'000 Gesuchen sehen. «Es kann leider immer passieren, dass sich jemand vertippt – wir unternehmen jedoch alles, um solche Fehler künftig zu vermeiden.» Das Bundesamt ist deshalb dankbar für Rückmeldung, sollten weitere Fehler entdeckt werden.

Auch wenn die Asylstatistik Fehler aufweist: Das Bundesamt für Migration registriert immer wieder einzelne Asylgesuche von Bürgern aus Nachbarstaaten oder gar von Schweizern. Oft litten diese Personen an psychischen Problemen und die Fälle seien schnell erledigt, heisst es in Bern.