Ungewisse Zukunft für Impfdosen

Die Kühlschränke vieler Hausärzte und des Spitals Limmattal sind noch voll mit nicht mehr benötigten Schweinegrippe-Impfdosen, welche wohl entsorgt werden müssen. Doch die Gesundheitsdirektion will nichts überstürzen und wartet noch ab.Limmattaler Ärzte und das «Limmi» sollen überzählige H1N1-Vakzinen vorerst aufbewahren.

Merken
Drucken
Teilen
Ungewisse Zukunft für Impfdosen

Ungewisse Zukunft für Impfdosen

Limmattaler Zeitung

Bettina Hamilton-Irvine

Während die Schweinegrippe am Abklingen ist, stellt sich überall die grosse Frage: Wohin mit den überzähligen Impfdosen? In Spitälern und Arztpraxen sind die Kühlschränke noch voll mit den Impfstoffen – doch impfen lässt sich praktisch niemand mehr.

«Völlig zum Erliegen gekommen»

«Wir haben noch eine stattliche Anzahl von Impfdosen», bestätigt der Urdorfer Allgemeinmediziner Christopher Meerwein. Was mit diesen geschehen solle, sei ihm im Moment noch nicht klar. Denn: «Die H1N1-Impfung ist überhaupt kein Thema mehr.» Er könne sich aber vorstellen, dass sich die Situation nochmals ändere und sich später nochmals einige Leute kombiniert gegen die saisonale und die Schweinegrippe impfen lassen würden, so Meerwein.

Auch der Unterengstringer Hausarzt Christian Hafen hat noch rund 40 Impfdosen im Kühlschrank – und dies, nachdem er vor wenigen Wochen noch eine riesige Warteliste und keinen Impfstoff gehabt habe. Seit Dezember gehe die Nachfrage jedoch drastisch zurück und dieses Jahr habe er noch keine einzige Anfrage gehabt.

Ähnlich sieht es im Spital Limmattal aus. Laut Anita Coray, Bereichsleiterin Pflege und Leiterin Task-Force H1N1, kann man sich im «Limmi» weiterhin impfen lassen. Das Angebot werde jedoch kaum mehr genutzt: «Wir impfen praktisch nur noch Schwangere, onkologische Patienten und Risikopatienten», so Coray. Ganz vereinzelt komme es noch vor, dass sich eine Person ausserhalb der Risikogruppe nach der Impfung erkundige.

Hinsichtlich der Handhabung der überzähligen Impfdosen warte man auf Anweisungen des Kantons, sagt Coray: «Wir erwarten in den nächsten Tagen Richtlinien vom Kantonsarzt, wie damit umgegangen werden soll.»

Kanton will noch abwarten

Beim Kanton, welcher für die Auslieferung der Vakzine an die Spitäler und Arztpraxen zuständig war, will man jedoch noch nichts überstürzen. «Im Hinblick auf eine mögliche zweite Grippewelle warten wir im Moment noch zu», sagt Urs Rüegg, Leiter Kommunikation der kantonalen Gesundheitsdirektion. Der Kanton Zürich habe jedoch kaum ein Problem, da die meisten überzähligen Dosen nicht ausgeliefert worden, sondern im industriellen Umfeld geblieben seien. Bereits «ausgecheckte» Dosen, welche an Spitäler und Ärzte geliefert worden seien, könnten jedoch nicht zurückgenommen werden. Die Entsorgung zu gegebener Zeit sei noch offen, werde jedoch voraussichtlich über die üblichen Kanäle laufen, so Rüegg.

10 Millionen zu viel bestellt

Finanziell entsteht den Ärzten und Spitälern kein Schaden, da die Impfdosen vom Bund – sprich den Steuerzahlern – und die Impfaktion von Santésuisse und dem Kanton bezahlt worden ist. Weit weniger rosig sieht es für das Bundesamt für Gesundheit aus, welches bei den Pharmakonzernen GlaxoSmithKline und Novartis für insgesamt 84 Millionen Franken 13 Millionen Dosen der H1N1-Impfstoffe bestellt hat. An die Kantone abgegeben wurden gerade mal 3 Millionen der Impfdosen. Die 10 Millionen zu viel bestellten Dosen Pandemie-Impfstoffe nun wieder abzustossen, dürfte schwierig werden: Mehrere andere Regierungen versuchen ebenfalls, überschüssige Impfdosen loszuwerden. Nebst dem Verkauf mit Verlust zieht die Schweiz auch in Betracht, 1,3 Millionen Impfdosen an die Weltgesundheitsorganisation zu verschenken.