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Unfreiwillige Wiederholung: Schawinski wettert gegen die SRG

Sein wundersamer Wandel vom schärfsten Kritiker zum vehementen Verteidiger der SRG sorgt in den sozialen Medien für Belustigung. Wir zeigen das Video.

Sacha Ercolani
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Roger Schawinski
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Andreas Thiel im legendären Gespräch mit Roger Schawinski.
Roger Schawinski übernimmt Radio 105 (Archiv)
Roger Schawinski und Tele Züri
Bernhard Russi, Ursi Spaltenstein und Roger Schawinski 1984
Roger Schawinski, Kassensturz-Leiter von 1974 bis 1976

Roger Schawinski

Keystone/WALTER BIERI

Ein 33-sekündiges Video in dem SRF-Aushängeschild Roger Schawinski (72) gegen seinen Arbeitgeber wettert und das aktuell in den sozialen Medien kursiert, spielt den Initianten der «No Billag»-Initiative in die Hände: «Die SRG ist ein teuer produzierender Laden, extrem teuer sogar. Monopole sind nun einmal schwerfällig und teuer. Und wir wissen alle, die SRG ist ein Monopol und darum nicht effizient», behauptet der ehemalige Unternehmer in der SRF-Diskussionssendung Arena.

Auch wenn Roger Schawinski sich äusserlich kaum verändert hat, so wird erst bei genauerem Hinschauen klar: Der Ausschnitt aus der Sendung ist über zehn Jahre alt. Also aus einer Zeit als Multimillionär Schawinski, der im August 2001 das von ihm aufgebaute Radio 24 und TeleZüri für 80 Millionen Schweizer Franken dem Medienunternehmen Tamedia AG verkaufte, noch als Geschäftsführer des deutschen Privatfernsehsenders Sat.1 amtete. Damals avancierte er zu einem der schärfsten Kritiker der SRG, die zu seinem Unmut lange Zeit alleinige Gebührenempfängerin und Inhaberin von Sende-Konzessionen war. Als Journalist gründete und moderierte er 1974 beim Sender das Konsumentenmagazin Kassensturz.

Seit dem 22. August 2011 moderiert er dort die nach ihm benannte Talksendung «Schawinski» und mischt sich aktuell mit seinem Buch «No Billag?» (Wörterseh), welches am Montag 8. Januar erscheint, in die aufgeladene «No Billag»-Abstimmungsdebatte ein. Laut der Wochenzeitschrift «Weltwoche», in der das Buch bereits diese Woche vorgestellt wurde, handelt es sich über weite Teile um eine Rechtfertigungsschrift des Medienunternehmers in Bezug auf seinen Wandel vom schärfsten SRG-Kritiker zum vehementen Verteidiger des Service public.

«Die Mutter aller Abstimmungen»

Für Schawinski ist die «No Billag»-Initiative, über die am kommenden 4. März abgestimmt wird, nichts weniger als «die Mutter aller Abstimmungen». Sie könne «die Schweiz mehr verändern» als jeder andere Urnengang seit Generationen. Nicht einmal die EWR-Vorlage oder die Armeeabschaffungsinitiative hätten Folgen gehabt, die mit jenen vergleichbar wären, sollte diese Abstimmung angenommen werden, verbreitet der Medienpionier Panik.

Roger Schawinski schreibt im Buch, die SRG sei «extrem wichtig für den Zusammenhalt des Landes», weil sie einen grossen Teil ihrer finanziellen Mittel in die kleineren Sprachregionen transferiere. Andererseits macht er sich über das überdimensionierte italienischsprachige Fernsehen TSI lustig, das mit seinen 1100 Mitarbeitern «pro Kopf der Bevölkerung das wohl höchstsubventionierte Fernsehen der Welt sei».

Dass er nun beim SRG-Sender SRF eine nach ihm benannte Talkshow bestreitet, stellt er als eine Last dar, die er wohl oder übel auf sich nehme. Er schreite Woche für Woche durch «die gleichen, öden Flure» im SRF-Studio Leutschenbach, weil es keine Alternative gebe. «Ich habe diese Aufgabe übernommen, nachdem ich zuvor während Jahrzehnten alles gegeben hatte, um das SRG-Monopol zu brechen.»

Geldverschleuderungsmentalität

Schawinski behauptet, eine generelle «Geldverschleuderungsmentalität» sei bei der SRG nicht zu erkennen, bringt aber nur einige Seiten später eine ganze Reihe von Sparvorschlägen. So findet er zum Beispiel, man könne beim teuersten SRG-Radiosender, SRF 2 Kultur, problemlos abspecken: «Die Abläufe und der hohe Personalbestand bei diesem Sender erinnern in vielem an eine geschützte Werkstatt.»

Trotz enormer Geldmittel erreiche SRF 2 Kultur bloss einen minimalen Marktanteil. Die zwei Sender SRF 1 und SRF 3 würde Schawinski zusammenlegen, SRF 4 News ganz streichen. Die «sehr gut dotierte Radio-Nachrichtenredaktion» käme seiner Meinung nach auch mit 150 statt 200 Journalisten gut aus. Als weitere konkrete Sparmöglichkeiten nennt er die Verringerung der Anzahl selbstproduzierter Dok-Sendungen im Fernsehen und die Ausdünnung des Online-News-Angebots.

In den sozialen Medien ist für Kritiker ist klar: Wäre der TV-Mann jetzt nicht SRF-Lohnbezüger, hätte sein wundersamer Wandeln wohl kaum in dieser Form stattgefunden.

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