Anerkennung

Unesco anerkennt Lawinenschutz als immaterielles Kulturerbe

Auch ein immaterielles Kulturgut: Lawinenverbauungen am Chüenihorn oberhalb von St. Antoenien GR. (Archiv)

Auch ein immaterielles Kulturgut: Lawinenverbauungen am Chüenihorn oberhalb von St. Antoenien GR. (Archiv)

Nun ist es tatsächlich passiert: Die Unesco hat den Umgang der Schweiz mit Lawinen in ihre Liste aufgenommen.

Der Schweizer Lawinenschutz gehört seit gestern offiziell zum Weltkulturerbe der Unesco – wie bereits das Winzerfest in Vevey (seit 2016) oder die Basler Fasnacht (seit 2017). Ausgezeichnet und als lebendiges Kulturgut eingetragen hat die Unesco die kollektiven Kenntnisse, die Erfahrungen und die Strategien im Umgang mit dieser für Menschen im ganzen Alpenraum bedrohlichen Naturgefahr.

Die Anerkennung durch die Unesco unterstreiche das Zusammenspiel von traditionellem Wissen, Technologie und Volkskultur, hiess es gestern beim Bundesamt für Kultur (BAK). Dort wurde die schweizerisch-österreichische Kandidatur zusammen mit dem Schweizer Alpen-Club (SAC), dem Institut für Schnee und Lawinenforschung (SLF), dem Schweizer Bergführerverband (SBV), dem Bundesamt für Umwelt (Bafu), der «Fondation Barry» und dem Kanton Wallis erarbeitet.

«Es ist eine grosse Anerkennung für unsere Arbeit zu Gunsten der Sicherheit der ganzen Bevölkerung im Alpenraum und Ansporn für die weitere Zukunft», freute sich SLF-Leiter Jürg Schweizer gegenüber CH Media. Die Arbeit gehe den Lawinen- und Schneespezialisten bestimmt nicht aus, denn die Naturgefahren würden ständig mehr und die Erwartung nach Sicherheit gleichzeitig grösser.

Erfreulich findet man beim SLF, dass nun die Bevölkerung mit positiven Schlagzeilen für das Thema sensibilisiert wird «Viele Beteiligte bilden in diesem Bereich ein grosses, wichtiges Puzzle», sagte Schweizer.

Lawinenhunde gehören dazu

Im Lauf der Jahrhunderte entwickelte die Bevölkerung Strategien für Lawinen. Dazu gehören die Ausbildung von Suchhunden angefangen bei den Bernhardinern, Schneeanalysen, Lawinendokumentation, Schutzmassnahmen, die Ausbildung von Bergführern und Erzählungen.

Dieses ganze Repertoire wird durch Bevölkerung und Experten beständig erneuert. Die Aufnahme des Umgangs mit Lawinen in die Unesco-Liste zeigt gemäss BAK, dass die Bewältigung von Naturgefahren nicht nur mit technischen Schwierigkeiten, sondern auch mit kulturellen Herausforderungen verbunden ist. Der Lawinenschutz sei und bleibe eine lebendige und vielseitige Disziplin im Interesse der ganzen Bevölkerung, der Industrie und des Tourismus.

Das Bundesamt für Kultur möchte noch fünf weitere Schweizer Traditionen als Unesco-Kulturerbe auszeichnen lassen. Neben dem Uhrmacherhandwerk, dem Jodel als Singtechnik und dem Alpsommer sind auch die Prozessionen von Mendrisio und die Schweizer Design- und Typografie-Tradition auf der Liste späterer Kandidaturen.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1