Tunnel
Und wieder droht Ungemach

Ein Zürcher Architekturbüro behauptet, seine Pläne für den H2-Tunnel Schönthal seien günstiger und umweltschonender. Der Kanton habe sie aber nie ernsthaft geprüft. Nun droht es mit einer Beschwerde. Der Kanton aber winkt ab.

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Tunnel Schönthal

Tunnel Schönthal

bz Basellandschaftliche Zeitung

Von Daniel Ballmer

Die Vorwürfe an die Baselbieter Baudirektion sind happig. Der Zürcher Architekt Werner Heierli spricht nicht nur von einer «Verschleuderung öffentlicher Gelder», sondern auch von einer «massiven unnötigen Umweltbelastung». Stein des Anstosses ist einmal mehr die im Bau befindliche H2 Pratteln-Liestal. Genauer: der für rund 120 Millionen Franken geplante Tagbautunnel Schönthal. Schon einmal konnten bei dessen Bauvergabe juristische Auseinandersetzungen nur knapp vermieden werden (die bz berichtete). Und nun droht bereits wieder der Gang vor Gericht.

Das Zürcher Architekturbüro Bebo Arch International AG behauptet nämlich, dass es nicht nur ein besseres Projekt erarbeitet habe, sondern auch ein deutlich günstigeres. 20000 Kubikmeter Beton, 3000 Tonnen Stahl und einen CO2-Ausstoss von rund 6000 Tonnen sowie Kosten von letztlich gut 10 Millionen Franken. So viel hätte der Kanton einsparen können. Und das Projekt wäre erst noch rascher zu realisieren gewesen. Behauptet zumindest das Zürcher Büro. Und es ist bereit, für sein Projekt zu kämpfen.

So hat das Büro nicht nur sämtliche Landräte angeschrieben, sondern auch die Bundesämter für Umwelt (Bafu) wie auch für Strassen (Astra). Dabei werden die Berner Behörden darauf aufmerksam gemacht, dass bei der H2 auch Bundessubventionen verschleudert würden. Vergeblich: Das Astra hat sich bereits als nicht zuständig erklärt. Weil der Bund einzig Pauschalsubventionen zahle, mische er sich bei dem Kantonsprojekt nicht ein. «Die Umweltaspekte allerdings sind überhaupt nicht beachtet worden», bedauert Heierli. Davon aber lässt er sich nicht entmutigen: Sollten Politiker und Behörden nicht tätig werden, drohen die Zürcher Architekten damit, eine Beschwerde in die Wege zu leiten, die das H2-Projekt erneut verzögern könnte.

Zurückhaltend zeigen sich die zuständigen Landratskommissionen. Das Schreiben werfe tatsächlich einige Fragen auf, sagt der Grüne Philipp Schoch. Gleichzeitig aber betont der Präsident der Umweltschutz- und Energiekommission (UEK), dass man immer vorsichtig sein müsse bei der Beurteilung einer Firma, die bei der Arbeitsvergabe nicht zum Zuge gekommen sei. «Eigentlich dachten wir, dass mittlerweile alles paletti ist», sagt Schoch weiter. «Doch nun könnte eine Beschwerde einmal mehr zu Verzögerungen führen. Der Firma ist es offenbar sehr ernst damit.»

Rolf Richterich (FDP) dagegen glaubt nicht, dass die Argumente für eine Beschwerde eine aufschiebende Wirkung rechtfertigen würden. Allerdings sei bei der Vergabe für den Tunnelabschnitt so einiges schief gelaufen, räumt der Präsident der Bau- und Planungskommission (BPK) ein. Die Kommission werde das Thema denn auch sicherlich nochmals aufnehmen. Richterich: «Allerdings habe ich bisher keinen Grund zu Annahme, dass die Baudirektion bei der Projektbeurteilung Fehler gemacht hat.»

Das sieht Architekt Heierli aber ganz anders: So sei die Beurteilung der eingegangenen Projekte durch Personen erfolgt, die das offizielle Projekt erarbeitet oder daran mitgearbeitet hätten und damit nicht neutral seien. «Die gesamte Beurteilung ist sehr einseitig zugunsten des offiziellen Projekts erfolgt und mit Sicherheit in entscheidenden Punkten falsch», kritisiert Heierli. «Offensichtlich habe der Kanton sein selber erarbeitetes Projekt verteidigen wollen, vermutet er. «Wir vermuten, dass der Kanton keine stichhaltigen Gründe für seinen Entscheid hat, sonst hätte er uns diese sicher mitgeteilt.»

Gelassen reagiert Kantonsingenieur Oliver Jacobi. Er ist davon überzeugt, gute Argumente zu haben, die für das offizielle Projekt sprechen. Zwar sei die Bebo-Variante gleich von zwei Anbietern eingereicht worden. In einem Fall aber habe sie gar nicht erst die rechtlichen Bestimmungen erfüllt und sei damit vom Start weg aus dem Rennen gewesen. Im anderen Fall weise die Bebo-Variante zwar durchaus Vorteile auf, «die nach unserer Bewertung die technischen Nachteile aber nicht überwiegen». Der Teufel stecke hier im Detail. Es gebe viele ungeklärte Fragen, die deutliche Zusatzkosten zur Folge hätten. «Gewisse genannte Zahlen ziehen wir auch in Zweifel», stellt Jacobi klar. Für einzelne Tunnelabschnitte wie Ein- und Ausfahrten seien zudem gar nicht erst Lösungen angeboten worden.

Dagegen wiederum wehrt sich Heierli: «Da sind Prozesse am Laufen, die nicht sauber sind.» Das offizielle Projekt sei klar schlechter als die Bebo-Variante. «Und das können wir mit Fakten belegen», betont Heierli. Er hat denn auch die Hoffnung noch nicht aufgegeben, beim H2-Tunnelbau doch noch zum Zuge zu kommen. - «Ich glaube nicht, dass er mit diesem Vorgehen unser Vertrauen gewinnt» hält dem Kantonsingenieur Jacobi entgegen. Für ihn ist die Sache gelaufen. «Wir sehen eigentlich keine rechtliche Handhabe für die Bebo-Architekten.» Andernfalls aber glaubt auch er belegen zu können, dass eben doch die Vorteile der offiziellen Variante überwiegen.