Blinddarm
Und diesen Unort will man erhalten

Die Schnittstelle zwischen Blinddarm und Gstühl behält ihren tristen Zustand. Der Einwohnerrat hat den Baukredit von 3,2 Mio. Franken mit 24 zu 22 Stimmen abgelehnt. Und das Resultat ist nicht ganz zweifelsfrei.

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Und diesen Unort will man erhalten

Und diesen Unort will man erhalten

Obschon für die Projektierung eine Begleitkommission eingesetzt und für die Mitglieder des Einwohnerrats vorgängig eine Führung vor Ort durchgeführt wurde: Das Vorhaben, diesen Unort zu korrigieren, wurde – wenn auch knapp – abgelehnt.

Unsicherheit beim Auszählen

Gerade die Knappheit der Ablehnung könnte zu reden geben. Zudem erstaunt es, dass offenbar gerade auf der bürgerlichen Seite bei einem derart wichtigen Geschäft zwei Ratsmitglieder sich der Stimme enthalten haben. Überhaupt war die Abstimmung mit den erhobenen Händen schwieriger als üblich auszuzählen, weil die Ja- und Nein-Stimmen durch sämtliche Fraktionen hindurchgegangen sind. So führte denn das Ergebnis beim Ratsbüro auch zu einer kurzen Diskussion. Eine Wiederholung der Abstimmung oder das genaue Auszählen der Enthaltungen hätten diese Zweifel, die nun doch hängen bleiben, wegwischen können.

Der Entscheid ist allerdings gefällt. Ein Entscheid, bei dessen Zustandekommen man sich nicht – wie vom Stadtrat erhofft – mit einer Vision auseinandergesetzt, sondern darauf bedacht war, diese in ihren Bestandteilen zu demontieren.

Informationsdefizit bei Fiko

Wichtige Informationen zum Projekt, die an der Führung für die Einwohnerräte abgegeben worden waren, seien nicht bis zur Finanzkommission durchgedrungen (Fiko). Darum sei die Abstimmung in der Finanzkommission bei dieser Vorlage überraschenderweise mit
9 Nein gegen 2 Ja ausgefallen, hiess es in einigen Fraktionen.

Diese schlechten Gefühle, wie es Reto Huber namens der CVP schilderte, hätte der Rat auf die Seite schieben müssen, wofür es zu spät war.

In der Ratsdebatte ging es vor allem um den öffentlichen Nutzen. Diesen wollten die Gegner der Vorlage den Teilprojekten absprechen. Dabei kam aber auch zum Ausdruck, dass sich die Demontage der Vorlage vereinzelt gegen das Partylokal Löschwasserbecken und den dahinterstehenden Veranstalter Party Pur richtete wie auch gegen den Investor der Ladenpassage. So oder so genügte unter dem Strich die Summe aller kritischen Punkte, um das Vorhaben zum Scheitern zu bringen.

Unbestritten war, dass an dieser Stelle zu einem tragbaren Preis kein architektonisches Meisterwerk gemacht werden kann und dass es heute oder nun eben später auch ein Flickwerk darstellen würde. Doch weder die städtebauliche Verbesserung durch diese Eingriffe noch deren Notwendigkeit konnten von der Hand gewiesen werden.

Unort weiter erdulden

Mit den Massnahmen hätten verschiedene Probleme beseitigt werden können. Die Stadt wird nun prüfen, wie diese im Einzelfall gelöst werden können. Der Ruf nach einer Veloverbindung durch die Gstühl-Verbindung bleibt bestehen, laut Stadtrat Kurt Wiederkehr wird sie jedoch aus Gründen der Verkehrssicherheit kaum realisiert werden.

Das Nein zur Vorlage trifft nicht nur den Veranstalter im LWB, sondern auch die neuen Anwohner, die am Wochenende den Lärm davor zu ertragen haben. Betroffen sind ebenso die Ladengeschäfte im Blinddarm und im City-Corner, die sich durch diese Massnahmen eine attraktivere Anbindung zwischen Innenstadt und Bahnhof West erhofft hatten.