Grenchen
Umweltverbände sind kritisch

Die kantonalen Umweltverbände kommentieren gemeinsam die vorgesehenen Anpassungen auf dem Flughafen Grenchen. Sie geben sich vergleichsweise milde, warnen aber vor einem künftigen Ausbau der Landepiste.

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Flugplatz Grenchen

Flugplatz Grenchen

Grenchner Tagblatt

Urs Byland

Auf dem Flughafengelände wird die Infrastruktur angepasst (wir berichteten). Dazu gehört beispielsweise die Vergrösserung des Parkfeldes. Dass die Solothurner Umweltverbände WWF, VCS, Pro Natura sowie Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz diese Anpassungen in einer Mitteilung kommentieren und kritisieren, gehört für die Flughafenbetreiber zum Geschäft.

Sie können positiv für sich verbuchen, dass es im aktuellen Fall bei einem kritischen Begleitkommentar bleibt und nicht zum Mittel der Einsprache gegriffen wurde. Dies bestätigt Mathias Villiger, Pro Natura, im Namen der Verbände.

Dennoch betrachten die Umweltverbände die Anpassungen mit einer gehörigen Portion Skepsis. «Die Flughafenbetreiber versuchen, ihr Potenzial auszuschöpfen», sagt Mathias Villiger. Dies sei der Grund für die Anpassungen. Gemeint sind die 90 000 Flugbewegungen, die im Sachplan Infrastruktur der Luftfahrt des Bundesamtes für Zivilluftfahrt (BAZL) als Potenzial für Grenchner festgeschrieben sind. Aktuell bewegt sich die Anzahl der Flugbewegungen in Grenchen auf rund 75 000.

Mehr Qualität, weniger Quantität

Flughafendirektor Andreas Wegier widerspricht: «Die Rollwege sowie das Parkfeld südlich vom Tower müssen den gesetzlichen Anforderungen angepasst werden.» Dies entspreche einer Forderung des Bundesamtes für Zivilluftfahrt (Bazl), die im Rahmen der Baubewilligung für den neuen Hangar gestellt wurde, wobei die Anpassungen so oder so hätten gemacht werden müssen.

Andreas Wegier wehrt sich auch gegen die Behauptung der Umweltverbände, ein weitaus höherer Anteil an schwereren Flugzeugen werde einen höheren Schadstoffausstoss zur Folge haben. «Wir wollen einen qualitativen Ausbau und nicht einen quantitativen.

Die Landung oder der Start eines Geschäftsflugzeuges benötigt wesentlich mehr Zeit. In der gleichen Zeit könnten wir fünf oder sechs kleinere Flugzeuge abwickeln.» Zudem gebe es auf dem Grenchner Flughafen kein Linienflugzeug- oder Charterangebot. «Wir sind der Bahnhof für den Luftverkehr der Region, und dieser wächst nicht endlos. Von einem Ausbau kann keine Rede sein.»

In ihrer Mitteilung weisen die Umweltverbände zudem auf eine Studie der Vogelwarte Sempach hin. Diese zeige, dass tief fliegende Flugzeuge eine erhebliche Störung für brütende und rastende Vögel sind.

Keine Verlängerung der Landepiste

Einsprachen

Zum aufgelegten Gesuch zur Anpassung der Infrastruktur auf dem Flugplatz Grenchen sind laut Anton Kohler, Sprecher Bundesamt für Zivilluftfahrt, zwei Einsprachen eingegangen. Abgegeben wurden beide von Privatpersonen.

Zum Gegenstand der Einsprachen oder zu deren Urhebern wollte Kohler wegen des hängigen Verfahrens keine Auskunft geben. Er liess aber durchblicken, dass beide Einsprachen Details betreffen. (uby)

Es stelle sich die Frage, wie die Untertunnelung der Witi beim Bau der Autobahn A5 mit einer Erweiterung der Flugaktivitäten vereinbar wäre. «Mit dem Tunnelbau zugunsten der Fauna haben Politik und Bevölkerung ein starkes Zeichen zum Erhalt der Witi als Lebensraum, Landwirtschafts- und Naherholungsgebiet gesetzt.»

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