Paradise Papers
Umweltschäden, Korruption: Schweizer Rohstoffbranche ist immer wieder unter Beschuss

Das zentrale Problem der Rohstoffindustrie ist, dass sie vor allem den Rohstoffhunger der entwickelten Welt befriedigen muss, während jedoch rund zwei Drittel aller Ressourcen aus Entwicklungsländern stammen.

Andreas Schaffner
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Sojabohnenernte in Brasilien. key

Sojabohnenernte in Brasilien. key

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Umweltschäden, Korruption, Offshore-Gesellschaften: Die Schweizer Rohstoffbranche steht regelmässig im Zentrum von Vorwürfen. Wie Jahrzehnte zuvor bei den Banken, steht auch hier die Schweiz im Fokus. Sie ist eine der weltweit wichtigsten Drehscheiben für den Handel mit Rohstoffen. Der Wirtschaftszweig generiert einen Jahresumsatz von 25 Milliarden Franken. Zusammen mit den Zusatzdiensten dieser Branche wie Finanzierung und Fracht beschäftigen über 500 Unternehmen in der Schweiz rund 10 000 Personen und generieren laut Zahlen des Bundes 3,6 Prozent des Bruttoinlandprodukts.

Rohstoffhandel in der Schweiz existiert seit Beginn der Industrialisierung. Er hat jedoch nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs vor allem auch mit der steuerlichen Privilegierung von Holding-Gesellschaften einen Aufschwung erfahren. Heute zählen Firmen, wie Vitol, Glencore, Cargill oder Trafigura zu den umsatzstärksten Unternehmen in der Schweiz. Sie handeln nicht nur mit Rohstoffen, sondern bauen sie auch ab.

Politische Dimension

Das zentrale Problem der Rohstoffindustrie ist, dass sie vor allem den Rohstoffhunger der entwickelten Welt befriedigen muss, während jedoch rund zwei Drittel aller Ressourcen aus Entwicklungsländern stammen. Der Transport von Rohstoffen im Agrarsektor geschieht etwa zu einem grossen Teil von Brasilien in Richtung USA und Europa, bei Kupfer verläuft die wichtigste Handelsroute von Zentralafrika in Richtung China.

Sowohl beim Abbau als auch beim Handel der Rohstoffe schwingt deshalb die entwicklungspolitische Dimension mit, weil der grösste Teil der Wertschöpfung meist erst in den industrialisierten Ländern geschieht. Nicht nur der ehemalige UNO-Generalsekretär Kofi Annan hat sich wiederholt gegen die seiner Meinung nach starke Ausbeutung von afrikanischen Ländern eingesetzt. In der EU wurden Vorschriften erlassen, die Rohstoffunternehmen verpflichten, Berichte über ihre Aktivitäten in jedem Land offenzulegen.

Die jüngsten Enthüllungen eines internationalen Journalisten-Netzwerks, die sogenannten «Paradise Papers», haben in Bezug auf die Problematik keine neuen Erkenntnisse zutage gebracht. Sie zeigen jedoch auf, wie die Unternehmen genau vorgehen, oder etwa wie Glencore nicht nur via Mittelsmann Dan Gertler die Kupferminen in der Demokraktischen Republik Kongo erwarb, sondern diesem dafür auch einen Millionenkredit zusprach.

Leicht anders ist die Situation bei Unternehmer Jean-Claude Bastos, dessen Quantum-Global-Gruppe – bei der einige prominente Schweizer Wirtschaftsvertreter im Beirat sitzen – die Gelder des angolanischen Staatsfonds verwaltet. Hier zeigen neuen Dokumente angeblich, wie viel Bastos für die Verwaltung der Gelder erhält und über welche Firmenkonstruktionen in Mauritius die Gelder fliessen. In einer Stellungnahme wirft Bastos dem Journalistennetzwerk vor, Unwahrheiten zu publizieren. Den Weg über Mauritius habe man gewählt, um die Wettbewerbsvorteile auszunutzen.