Andreas Maurer

Nicht nur in südlichen Ländern dauern die Sommerferien mehrere Monate. Auch im Süden der Schweiz enden sie erst Anfang September: Tessiner haben im Sommer elf Wochen schulfrei. Die Nordwestschweiz befindet sich im Schweizer Durchschnitt: In den beiden Basel dauern die Sommerferien sechs, im Aargau und Solothurn in der Regel fünf Wochen.

Einige Nordwestschweizer Schüler träumen kurz vor Ferienende von Zuständen wie im Süden. Doch diese Wünsche sind politisch nicht mehrheitsfähig. Im Gegenteil: Zur Diskussion stehen kürzere Sommerferien. «In unseren Breitengraden wäre dies sinnvoll», ist die Liestaler SP-Landrätin Elsbeth Schmied überzeugt.

In einem Postulat fordert sie, dass die Sommerferien zugunsten einer zusätzlichen Woche im Herbst verkürzt werden. So möchte sie arbeitstätige Eltern im Sommer entlasten und das lange dunkle Quartal vor Weihnachten auflockern.

Regierungsrat zögert

Der Landrat hat das Postulat vor zwei Jahren an den Regierungsrat überwiesen. Dieser hat die vorgeschriebene einjährige Bearbeitungsfrist nicht eingehalten. «Das kommt bei Vorstössen relativ häufig vor», kommentiert Landschreiber Alex Achermann. Das Postulat wird voraussichtlich noch dieses Jahr bearbeitet. Wie darin gefordert lanciert die Baselbieter Bildungsdirektion in Absprache mit dem basel-städtischen Departement eine Umfrage bei Erziehungsberechtigten. «Die Frage polarisiert», weiss Roland Plattner, Generalsekretär der Bildungsdirektion. Er schätzt, dass die Bevölkerung in dieser Frage etwa zweigeteilt ist. Für einige Baselbieter gehören sechs Wochen Sommerferien zur Tradition des Landkantons, obwohl heute nur noch wenige Schüler im Sommer auf dem Bauernhof arbeiten.

Neuen Schwung erhält die Diskussion der Ferienlänge in Hinblick auf die Harmonisierung des Bildungsraums Nordwestschweiz. Da dieser noch nicht in Reichweite ist, äussern sich die Beteiligten zurückhaltend. Auch Bea Fünfschilling möchte sich nicht auf die Äste heraus lassen. Für die Präsidentin des Baselbieter Lehrerverbands ist nur eines klar: «Jede Veränderung wird unweigerlich vielerorts Unmut auslösen, sei dies bei Eltern, Schülern oder Lehrerschaft.»

Unharmonischer Bildungsraum

Zwischen den Fronten des heterogenen Nordwestschweizer Bildungsraums steht das bikantonale Gymnasium Laufen. Hier dauern die Sommerferien im Gegensatz zum restlichen Baselbiet nur fünf Wochen in Anpassung an den Kanton Solothurn. «Das ist blöd für jene mit Geschwistern, die länger Ferien haben», urteilt die Gymnasiastin Annina Brupbacher. Sie vertritt die Schülerschaft im Schülerrat. Fünf Wochen Sommerferien und drei im Herbst findet sie ideal. Die Breitenbacherin relativiert aber: «Andererseits habe ich gar nie die Erfahrung von sechs Wochen Ferien gemacht.»

In Basel-Stadt wird derzeit kein Handlungsbedarf geortet, obwohl die SP gleichzeitig wie im Baselbiet dasselbe Postulat eingereicht hat. Es ist ebenfalls seit zwei Jahren hängig. «Es gibt keinen Veränderungswunsch, der auch nur annähernd mehrheitsfähig ist», berichtet Pierre Felder, Leiter der Basler Volksschulen. Ein anderes Anliegen ist ihm wichtiger: «Es braucht mehr Angebote, um die Betreuungssituation von arbeitstätigen Eltern während der Ferien zu verbessern.»