Nach ersten Kooperationen mit Hochschulen in Baselland und Zug haben sich die SBB nun an die grösste Universität des Landes gewandt. Die Uni Zürich prüft derzeit auf Wunsch der SBB, ob spätere Vorlesungszeiten die Züge zur Rushhour entlasten können, wie Rektor Michael Hengartner auf Anfrage bestätigt. Statt um 8 Uhr würden einige Kurse, Seminare und Vorlesungen erst um 9 Uhr beginnen. Die SBB erhoffen sich so eine spürbare Entlastung, da die Zahl der Studenten seit Jahren ansteigt. Derzeit sind 26’250 Studierende an der Universität eingeschrieben, 19’300 sind es an der ETH Zürich. Viele pendeln zu den Stosszeiten.

Die Abklärungen dürften noch mehrere Wochen dauern, denn einige Fragen sind offen: Wie denken die Studenten darüber, zwar später zu beginnen, am Abend aber länger in den Hörsälen zu sitzen? Können junge Eltern ihre Kinder nach der Vorlesung noch in der Krippe abholen? Und hat es am Abend überhaupt Platz, weil die Universität und die Stadt viele Abendveranstaltungen in den Räumlichkeiten durchführen?

Egal, zu welchem Schluss die Hochschule kommt: Kreative Lösungen sind wegen der gestiegenen Studentenzahlen unumgänglich. «Es ist klar, dass es neue Transportmöglichkeiten vom Hauptbahnhof und vom Stadelhofen zur Universität geben muss», sagt Rektor Hengartner. «Daran führt kein Weg vorbei, Trams und Busse reichen nicht mehr aus.»

Unterirdische Stationen

Ideen wurden in den vergangenen Monaten einige gewälzt. Sie kamen von Verkehrsexperten, Studenten oder Kantonsräten. So wurde über eine Seilbahn von Hauptbahnhof bis zur Uni diskutiert, über eine unterirdische S-Bahn-Station direkt unter dem Hochschulquartier oder über eine Mega-Rolltreppe als Ersatz für die Polybahn.

Die Universität Zürich ist nicht die einzige Hochschule, mit der die SBB nach Lösungen suchen. Namen will sie allerdings keine nennen. Erst vergangene Woche wurde bekannt, dass die Fachhochschule Nordwestschweiz ihre Vorlesungszeiten anpasst. Ein Versuch, das Konzept am Gymnasium umzusetzen, war nicht von Erfolg gekrönt. Im Kanton Bern sollte ein späterer Schulbeginn von Mittelschülern Abhilfe schaffen, nur hiess es kurz nach der Einführung: «Wir haben in den Stosszeiten nichts gemerkt.» Die SBB kennen das Problem: Das grösste Potenzial für Verschiebungen hätten die Hochschulen, nicht die Gymnasien, schreibt sie.