Ukraine-Krieg
Spenden für die Ukraine: Betrüger wittern ein Geschäft

Die Hilfsbereitschaft gegenüber der ukrainischen Bevölkerung ist in der Schweiz riesig. Das ruft auch Betrüger auf den Plan.

Nina Fargahi
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Bundespräsident Ignazio Cassis eröffnet den Sammeltag der Glückskette für die Ukraine.

Bundespräsident Ignazio Cassis eröffnet den Sammeltag der Glückskette für die Ukraine.

Keystone

Der Krieg in der Ukraine macht auch viele Schweizerinnen und Schweizer betroffen. Sie möchten die Menschen in Not unterstützen. Die Hilfsbereitschaft gegenüber der ukrainischen Bevölkerung ist hierzulande riesig. Täglich fahren Busse voller Kleider, Decken und Spielzeug an die ukrainische Grenze. Die meisten Kantone mussten Hotlines einrichten wegen den vielen Unterbringungsanfragen, in den Städten finden Demonstrationen für den Frieden statt, einzelne Bürgerinnen und Bürger sammeln auf eigene Faust medizinische Güter.

Die Organisation Campax hat innerhalb von nur einer Woche über 40’000 Betten für Geflüchtete organisiert. Und an der Sammelaktion der Glückskette, welche Bundespräsident Ignazio Cassis diese Woche eröffnet hat, wurden bis am Mittwochmittag 15,1 Millionen Franken Spenden erzielt. Diese Hilfsbereitschaft öffnet allerdings auch Tor und Tür für Betrügereien. Die Schweizerische Kriminalprävention (SKPPSC) warnt vor manipulierten Angeboten, um Spendengelder zu erschleichen. Deshalb müssen Spendenaufrufe, auch im kleinen Kreis, überprüft werden. Doch wie erkennt man, ob eine Organisation seriös ist?

Transparenz und Unabhängigkeit

Eine Orientierungshilfe bietet die Zertifizierungsstelle Zewo. Die 1934 gegründete Stiftung vergibt als einzige im Land ein Qualitätszertifikat für gemeinnützige Hilfsorganisationen. Martina Ziegerer, Geschäftsleiterin von der Zewo, sagt: «Transparenz ist wichtig. Die Spenderinnen und Spender müssen wissen, wer hinter einem Spendenaufruf steckt.» Zudem müssten auf der Website die Jahresberichte mit der Tätigkeiten der Organisation einzusehen sein sowie die revidierten Jahresrechnungen. Für mehr Sicherheit sorgt auch das Zewo-Gütesiegel.

Wie man es erhält? Hilfswerke können ihre Tätigkeiten prüfen lassen und werden anhand eines Katalogs mit 21 Standards beurteilt. Erfüllen sie alle Anforderungen, erhalten sie das Gütesiegel. Die Zewo prüft dabei zum Beispiel, ob die Hilfswerke über interne Kontrollen verfügen, ob sie transparent informieren, ob die Finanzkennzahlen stimmen, wie viele Gelder in Projekte oder in die Administration fliessen und ob das Hilfswerk gemeinnützig und unabhängig ist. Die Hilfswerke werden auch nach Vergabe des Gütesiegels regelmässig von der Zewo kontrolliert und müssen jährlich Bericht erstatten.

Martina Ziegerer von der Zertifizierungsstelle Zewo.

Martina Ziegerer von der Zertifizierungsstelle Zewo.

Keystone

Derzeit sind 491 Hilfswerke von der Zewo zertifiziert. Davon sammeln zur Zeit 11 spezifisch für die Ukraine Spenden. Die bekannteste Spendenorganisation, die Glückskette, gehört allerdings nicht dazu. Warum? Weil die Glückskette eine Stiftung ist und kein Hilfswerk. Das heisst, die Glückskette leistet nicht selbst Hilfe vor Ort, sondern gibt die gesammelten Spendengelder an ihre Partnerorganisationen weiter. Diese Partnerhilfswerke seien gemäss Ziegerer alle Zewo-zertifiziert.

Nicht unseriös, aber unkompetent

Ziegerer bestätigt, dass die Gefahr für Betrügereien in Zeiten wie diesen besonders gross ist. «Manchmal gibt es auch Initiativen, die zwar nicht unseriös sind, denen aber die Erfahrung fehlt, wie man Hilfe vor Ort oder an den Grenzen organisieren kann», sagt sie. Auch lokale Kontakte und Kompetenzen in der Krisenintervention seien nötig, um in einem Kriegsgebiet helfen zu können. Für die Ukraine hat die Zewo auf ihrer Website eine Liste mit vertrauenswürdigen Hilfswerken aufgeschaltet, die man bei der Zewo seit vielen Jahren kennen und prüfen würde. Wie zum Beispiel Caritas, Helvetas oder Terre des hommes.

Ein Blick in den Zewo-Stiftungsrat zeigt allerdings: Hier sitzen Persönlichkeiten wie zum Beispiel Erich Wigger, der gleichzeitig Finanzchef ist bei der Helvetas, eine von der Zewo zertifizierten Entwicklungsorganisation. Oder Gian-Reto Raselli, der gleichzeitig Geschäftsleitungsmitglied von WWF ist, ebenfalls von der Zewo zertifiziert. Oder Didier Berberat, der gleichzeitig im Stiftungsrat der Swissaid sitzt, auch von der Zewo zertifiziert. Wie lassen sich solche offensichtlichen Interessenkonflikte begründen? Auf die Frage antwortet Ziegerer: «Bei der Behandlung von konkreten Geschäften sorgen Ausstandsregeln dafür, dass es keine Interessenkonflikte gibt. Die Stiftung Zewo untersteht zudem der Kontrolle der eidgenössischen Stiftungsaufsicht.»

Jedenfalls ist es wichtig, dass kleine Organisationen und private Initiativen nicht unter Generalverdacht gestellt werden. Auch wenn sie kein Zewo-Gütesiegel haben.