Armee

Ueli Maurers neue Waffe: Pferde bilden Armee-Kader aus

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Armeechef Ueli Maurer geht neue Wege, um seinem Anspruch die «beste Armee der Welt» zu führen, ein Stück näher zu kommen. Er will seine Miliz- und Berufskader durch «nonverbale Kommunikation mit Pferden» auf deren künftige Führungsaufgaben ausbilden.

Ein Pilotkurs «Horse based training for Leaders» wurde bereits Ende Februar 2013 auf einem Übungsgelände in Bangerten BE durchgeführt. Dazu lernen die Kursteilnehmer von den Pferden, wie man selbstsicher und energisch auftritt. Aber auch die eigenen Handlungen zu widerspiegeln und wie stark die nonverbale Kommunikation wirkt. Geleitet wurde der Kurs von Wachtmeister Vanessa Lincoln aus dem Bat Stab Armeetiere.

Als Beispiel, wie Pferde aus Fachoffizieren führungsstarke Persönlichkeiten formen sollen, wird in der Zeitung «armee.ch» Folgendes beschrieben: «Neben dem Pferd wird ein Abfallsack mit Dosen hergezogen. Mit seinen Nüstern und Ohren signalisiert das Tier seine Verunsicherung. Ein Fachoffizier der Schweizer Armee beruhigt es und lässt das Ross am Abfallsack schnuppern. Danach läuft das Pferd ohne Angst neben dem rasselnden Sack weiter.»

Was lernt der Fachoffizier aus dieser Übung? «Die Pferde lassen sich führen und kämpfen für die Ziele des Menschen, wenn ihnen mit Respekt, Vertrauen und Klarheit begegnet wird. (...) Das Pferd erkennt den Führer und spiegelt dessen Haltung durch eindeutige Körpersignale wieder», sagt Lincoln.

Eine weitere Übung besteht darin, das Tier am Strick zu führen und es nonverbal zum Laufen und anhalten zu bringen. Wenn das Tier nicht gehorcht, liegt dies an der schlaffen Körperhaltung des Fachoffiziers. Kleine Korrekturen an der Körperhaltung wie das Aufrichten des Kopfes, Straffen der Schulter und energischer Schritt – schon folgt das Pferd den nonverbalen Befehlen.

Schwieriger wird die Führung, wenn der Strick weggelassen wird und das Pferd ohne dieses Hilfsmittel Befehle empfangen muss. Das Tier lote dann Grenzen aus, wenn der Führer nicht bestimmt auftritt. Je überzeugter und entschlossener die Fachoffiziere jedoch nonverbal führten, desto genauer und korrekter reagiere das Pferd, sind die Verantwortlichen von «Management bei Pferden» überzeugt.

Ob ein Rekrut, der an der langen Leine geführt wird, dann auch wie ein Pferd auf die nonverbale Kommunikation des Kadis reagiert, muss sich in der Praxis dann allerdings erst noch zeigen.

Wiehern hier die Pferde, oder glaubt das Militär allen Ernstes daran, dass Pferde Fachoffizieren beibringen können, Leader in der Schweizer Armee zu werden? «Das Führen von Personen ist und bleibt schlussendlich eine praktische Tätigkeit. Aber es kann mit Pferden in einer besonderen Art gefördert werden», sagt Kirsten Hammerich, Kommunikationschefin Heer.

Zu der Tatsache, dass der Nutzen und die Wirksamkeit der nonverbalen Kommunikation mit Pferden noch nicht wissenschaftlich belegt sind und es auch keine entsprechenden Studien gibt, will sich die Armee nicht äussern.

Fakt ist: Wachmeister Lincoln hat bereits ein Projekt ausgearbeitet, damit die nonverbale Kommunikation mit Pferden zum «Nutzen von Miliz- und Berufskader in der Armee Einzug findet». Hammerich: «Das Konzept liegt momentan als erster Entwurf beim Milizstab des Kompetenzzentrums Veterinärdienst und Armeetiere. Es soll in definitiver Form Mitte August vom Milizstab an das Kompetenzzentrum übergeben werden. Ob und wie es anschliessend weitergehen wird, muss dann entschieden werden.»

Die Schweizer Armee ist nicht die Einzige, die auf die Führungskompetenz von Pferden setzt. Auch Schweizer Firmen wie Schindler Aufzüge, Nestlé oder Ringier liessen laut Eigenwerbung von «Horse Dream», einem der grössten Anbieter dieses speziellen Angebotes, ihre Kader auch schon mit Hilfe von Pferden ausbilden.

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