De Schepper
Ueli Maurer und seine Kuh

Ueli Maurer verteidigt unser Land. Und unsere Haushalte. «Eine Armee ohne Luftwaffe ist wie ein Haus ohne Dach», sagt er im Extrablatt der Gripen-Anhänger, das mit 2,9 Millionen Auflage in die Schweizer Haushalte gestreut wurde.

Werner de Schepper
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Ueli Maurer und die Frauen

Ueli Maurer und die Frauen

Alexandra Wey

Und tatsächlich steht bei jeder Frau, die sich in diesem Blatt mit Foto für den Gripen ausspricht, die für die Meinungsbildung wichtige Information, dass sie allesamt Mütter von 1, 2 oder 3 Kindern sind. Mit Ausnahme von Bundesrätin Doris Leuthard, die keine Kinder hat, aber trotzdem in diesem Blatt für den Gripen werben darf.

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Aargauer Zeitung

Ueli Maurer verteidigt seine Flieger. Er ist der Vater der Nation: "Die Armee ist mein Kind." Mit allen Argumenten aus der Welt, in der er lebt. An einer Gripen-Werbeveranstaltung in Zug fragt er die Anwesenden in Anspielung auf die veralteten Kampfjets seiner Luftwaffe: "Wie viele Gebrauchtgegenstände, die 30 Jahre alt sind, haben sie noch zu Hause?" Und gab die Antwort selber: "Bei uns sind das nicht mehr viele, ausser natürlich die Frau, die den Haushalt schmeisst."

Für die NZZ ist das eine "verbale Entgleisung". Ein Ausrutscher. Damit tut sie Ueli Maurer unrecht. Maurer bringt diesen Vergleich mit Bedacht. Und nicht zum ersten Mal. Wie die Zeitung "Le Matin" berichtet, hat er bereits am 22. April in Neuenburg auf französisch den selben Spruch gemacht: "Sachen, die mehr als 30 Jahre alt sind? Bei mir ist das nur meine Frau. (Chez moi, c'est seulement ma femme!) Alle anderen Sachen wurden ausgewechselt. (Toutes les autres choses ont été changées.) " Ueli Maurer hat sich also sogar die Mühe gemacht seinen Vergleich auf Französisch zu übersetzen. In Neuenburg wird seine eigene Frau zur "Chose".

Eine Entgleisung. Nein. So denkt Ueli Maurer. Vor nicht mal einem Jahr sagte er im Westschweizer TV, Männer seien dafür vorgesehen Militärdienst zu leisten und für die Sicherheit der Gesellschaft zu sorgen, Frauen dagegen hätten eine andere Rolle, etwa "Kinder und andere Sachen". Das weiss Maurer aus der Tierwelt: "In der Natur ist es auch die Kuh, die sich ums Kalb kümmert und nicht der Stier", zitiert ihn "Le Matin" aus einem Interview im Jahr 2007.

Ueli Maurer ist Bundesrat. Dem Vernehmen nach haben ihn auch Frauen gewählt. Was soll man da noch sagen? Ueli Maurer würde sagen: Nur die dümmsten Kälber wählen ihren Metzger selber.

werner.deschepper@azmedien.ch
Werner De Schepper ist Kolumnist der "Nordwestschweiz" und Moderator von TeleM1 und TeleBärn

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