Olympia

Ueli Maurer: «Olympia kostet Bund höchstens eine Milliarde»

Ueli Maurer: «Olympia 2022 ist ein Entwicklungsprojekt Schweiz für die nächsten 20 bis 30 Jahre».

Ueli Maurer: «Olympia 2022 ist ein Entwicklungsprojekt Schweiz für die nächsten 20 bis 30 Jahre».

Wenige Tage vor der Olympia-Abstimmung geht Sportminister Ueli Maurer nochmals in die Offensive: «Olympia bietet die Chance, die Schweiz als leistungsfähiges Land darzustellen», sagt der Bundespräsident. Es sei ein Entwicklungsprojekt für 30 Jahre.

Herr Bundespräsident, warum sind Sie Feuer und Flamme für Olympische Spiele in der Schweiz?

Ueli Maurer: Für Geschäfte, die ich vertreten muss, bin ich immer Feuer und Flamme.

Sie müssen nicht. Sie dürfen.

Natürlich muss ich. Olympia ist ein Bundesprojekt. Der Anstoss dazu kam vom Bundesrat. Die Botschaft und die Defizitgarantie auch.

Warum sind Sie so begeistert?

Olympia bietet die Chance, die Schweiz als leistungsfähiges Land darzustellen. Milliarden von Menschen werden unsere Werte sehen: die Schönheit der Landschaft, Sicherheit, Zuverlässigkeit. Zudem ist es eine grosse Chance für eine Randregion. Olympische Spiele können ein Treiber sein. Ich stamme selber aus einer Randregion. Wir müssen für diese Gebiete Perspektiven entwickeln.

Vor ein paar Jahren, als Sie noch SVP-Präsident waren, geisselten Sie Bundesräte, die Abstimmungskampagnen machen. Wie passt das zusammen?

Ich war jetzt viermal an Olympiaveranstaltungen im Bündnerland – immer auf Einladung des Regierungspräsidenten. Ich habe allerdings nie an Podien teilgenommen, sondern Referate gehalten. Die anderen Besuche im Bündnerland geschahen als Sportminister an Sportveranstaltungen.

Bei der Euro 08 hat der Bundesrat viel zu tiefe Kosten für die Sicherheit budgetiert. Warum sollte das bei Olympia 2022 besser sein?

Damals wurde tatsächlich unsorgfältig gerechnet. Darum hat die SVP das erste Budget ja auch abgelehnt. Jetzt arbeiten wir mit viel realistischeren Zahlen. Die Anlässe können zudem nicht verglichen werden. Die Euro 08 war ausschliesslich eine Sportveranstaltung mit nur kurzfristigen volkswirtschaftlichen Auswirkungen. Olympia 2022 ist hingegen ein Entwicklungsprojekt Schweiz für die nächsten 20 bis 30 Jahre. Olympische Spiele haben eine viel grössere Breitenwirkung.

Wie teuer kommt Olympia den Steuerzahler zu stehen?

Höchstens eine Milliarde Franken.

Und wenn es mehr wird?

Ich staune ob dieser negativen Haltung. Wir haben eine sehr sorgfältige Risikoanalyse gemacht. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Budget überschritten wird, ist ausserordentlich klein.

Das hat man vor dem Bau der Neat, vor der Expo 01, vor der Euro 08 auch gesagt …

Wir sprechen von einem Betrag, der 1,4 Prozent des jährlichen Budgets der Eidgenossenschaft betrifft. Ich verstehe die Ängste, die man jetzt streut, bei allem Respekt vor dem Geld nicht. Wenn die Schweiz nicht mehr in der Lage ist, 1,4 Prozent des Gesamtbudgets für ein langfristiges Entwicklungsprojekt wie Olympia zur Verfügung zu stellen, dann müssen wir aufpassen, dass wir nicht einschlafen.

Der Schweizer Steuerzahler muss die Verluste begleichen und das IOC streicht die Gewinne ein.

Diese Gelder werden weltweit zu 90 Prozent wieder an die Sportförderung und die Sportverbände verteilt. Und das IOC geht zu Recht davon aus, dass ein Austragungsland von Olympischen Spielen profitiert. Das IOC muss keine Werbung für die Schweiz machen.

Themawechsel: Der Kauf des Kampfjets Gripen rückt näher. Lange sah es allerdings nicht gut aus. Es hiess, Sie seien von einem Fettnäpfchen ins andere getreten.

Wir hatten immer einen roten Faden. Von der Beschaffungsidee bis zum Kaufvertrag. Das Geschäft wurde aber durch Fehlinformationen der Gegner und Indiskretionen gestört. Doch die Beschaffung war stets auf Kurs.

Das VBS hat oft Informationen korrigieren müssen. Das wirkte nicht professionell.

In den Medien hat man Zahlen, die irgendwo aufgetaucht sind, häufig als Zahlen des VBS interpretiert. Und wir sahen uns anschliessend gezwungen, diese Zahlen wieder zu korrigieren. So ist vielleicht ein falsches Bild entstanden.

Wann ist der erste Gripen einsatzfähig?

In der zweiten Hälfte von 2018.

Und wann steht die ganze Flotte zur Verfügung?

Das wird 2021 der Fall sein.

Wird sich am Preis nichts mehr ändern?

Nein. Die 22 Jets kosten 3,126 Milliarden Franken.

Was passiert, wenn Schweden nicht termingerecht liefern kann?

Dann hat die Schweiz keinerlei Verpflichtungen. Aber Ihre Frage ist sehr hypothetisch. Schweden hat selber 60 Flugzeuge bestellt. Die schwedische Flugindustrie gibt es seit 76 Jahren. Es gibt nicht den geringsten Grund, an den Beschaffungsplänen zu zweifeln.

Angenommen, Parlament und Volk stimmen dem Deal zu: Hat die Schweizer Luftwaffe damit einen Vorentscheid gefällt, künftig nur noch auf eine Flotte zu setzen?

Diese Frage muss offenbleiben. Die F/A-18 sind noch bis etwa 2035 einsatzfähig. Ob diese Flugzeuge dann mit einem Kampfflugzeug oder mit Drohnen ersetzt werden, kann jetzt nicht beurteilt werden. Die technischen Entwicklungen sind rasant. Das Ziel aber wäre in der Tat, eine einzige Flotte zu haben. Das wäre tendenziell günstiger.

Warum sollen die Stimmbürger 3,1 Milliarden bewilligen, wo die Armee doch bereits über 33 moderne F/A-18-Jets verfügt?

Der Gripen ist ein vorgezogener Ersatz des F/A-18. Bis alle Gripen da sind, dauert es noch acht Jahre. Bis dann ist der F/A-18 nicht mehr so modern. Kommt hinzu: Wir müssen 54 Tiger F-5 altershalber ausmustern. Für die Sicherheit des Landes braucht es deshalb neue Flugzeuge.

Die Schweiz ist nicht bedroht. Neue Flugzeuge sind doch purer Luxus.

Wenn Sie mir garantieren, dass unser Land auch in den nächsten 40 Jahren nie bedroht sein wird, dann können wir auf den Kauf verzichten. Doch diese Garantie werden auch Sie mir nicht geben können. Wir reduzieren ja jetzt schon stark. Wir tauschen 54 Tiger gegen 22 Gripen ein. Die Luftwaffe wird deutlich kleiner.

Müsste ein kleines Land wie die Schweiz nicht viel intensiver mit Nachbarn kooperieren?

Es findet bereits heute ein reger Austausch statt. Doch mit Ausnahme der baltischen Staaten überwachen sämtliche mit der Schweiz vergleichbaren Staaten in Europa ihren Luftraum selber. Bei uns setzt zudem auch die Neutralität Grenzen.

Nur 40 Prozent der aktiven Soldaten sehen laut einer Studie den Sinn der Armee. Ein niederschmetternder Befund.

Im Gegenteil. Das sind 20-jährige junge Leute. Die werden aus ihrem Umfeld herausgerissen, müssen hinaus ins Grüne, in die Kälte, weg von Familie und Freundin. Täglich wird ihnen befohlen, was sie zu tun haben, sie schlafen wenig. Und trotzdem finden immer noch 40 Prozent, die Armee sei eine gute Sache. Das ist ein hervorragender Wert.

Was soll daran hervorragend sein?

Die meisten jungen Soldaten haben keine Lust, Militärdienst zu leisten. Und trotzdem sehen vier von zehn den Sinn des Dienstes ein. Für mich ist das ein Topwert. Diese Werte waren früher doch nicht besser.

Früher hatte die Armee einen Feind. Heute sind die Bedrohungen diffuser.

Ich absolvierte die RS in den 70er-Jahren. Damals, unmittelbar nach den 68er-Unruhen, nach dem Vietnamkrieg, haben wohl nur fünf Prozent den Sinn der Armee eingesehen. Mit den heutigen Werten sind wir weltweit an der Spitze.

Viele Soldaten beklagen sich über zu wenig Action in den Wiederholungskursen.

Wir versuchen, dieses Problem in den Griff zu bekommen. Die Arbeitsbelastung ist je nach Truppe unterschiedlich. Laut unseren Erhebungen sind in der Regel aber etwa 80 Prozent der Absolventen mit ihrem WK zufrieden.

Zu viele Soldaten haben doch zu wenig zu tun.

Ich war kürzlich in Jassbach bei der elektronischen Kriegsführung. Da gab es EDV-Techniker mit einem Lehrabschluss. Die waren alle begeistert, weil sie sehr viel dazugelernt haben. Und da sass ein ETH-Informatiker, der sich langweilte. Der kannte alles schon. Das ist die Realität. Sie können auch in einer Schulklasse nicht alle gleichmässig beschäftigen.

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