«Ich will als Politiker endlich wissen, auf welchen Strecken die SBB wie viel verdienen oder verlochen.» Das sagt SVP-Nationalrat Ueli Giezendanner. Für den Fuhrhalter ist diese Kostentransparenz die Grundlage für alle weiteren Weichenstellungen im öffentlichen Verkehr. Kein Verständnis hat Giezendanner für den ohne Gegenstimmen im Ständerat beschlossenen Ausbau der Bahninfrastruktur: Die Kantonsvertreter wollen mit 6,4 Milliarden bis 2025 doppelt so viel ausgeben wie der Bundesrat. «Das ist unverantwortlich. So sinkt der Selbstfinanzierungsgrad noch mehr. Wenn das kommt, fordere ich auf allen Strecken und Abos eine mindestens 10-prozentige Erhöhung der Fahrpreise.»

Der öffentliche Verkehr soll massiv teurer werden

Der öffentliche Verkehr soll massiv teurer werden

Auch Markus Hutter, Präsident der nationalrätlichen Verkehrskommission fordert in der «SonntagsZeitung» mehr Geld von den Bahnpassagieren: «Der Bahnfahrer sollte sicher 60 Prozent der Kosten selber tragen» Laut SBB-Chef Andreas Meyer beträgt der Vollkostendeckungsgrad im Personenverkehr heute 50 Prozent. Die Diskussion wurde diese Woche von Professor Christian Laesser, der an der Uni St. Gallen das Forschungszentrum für Tourismus und Verkehr leitet, weiter angeheizt. Er rechnet im «Tagesanzeiger» vor, dass ein 1.-Klass-GA 10 000 Franken kosten müsste, wenn die tatsächlich bezogene Fahrleistung in Rechnung gestellt würde. Ein GA für 10 000 Franken statt heute 5800 Franken? So weit will Giezendanner nicht gehen. «Das wäre unseriös. Aber wenn ich bedenke, dass ein Autofahrer für die Strecke Olten-Bern nur schon fürs Benzin, Versicherungen und Abschreibungen in einer Vollkostenrechnung bei 220 Tagen und bei 140 km Streckendistanz etwa 24’000 Franken im Jahr ausgeben muss - und wenn ich dann bedenke, dass einer, der mit der Bahn täglich diese Strecke pendelt mit seinem 1.-Klass-GA nur 5800 Franken zahlt, stimmt doch was nicht.»

Grüne wollen flexible Tarife

Selbst für die Grünen sind teurere GA nicht mehr tabu. «Man kann das GA für Vielpendler sicher etwas teurer machen, aber 10 000 Franken sind jenseits von gut und böse», sagt Irène Kälin, Vizepräsidentin der Grünen Schweiz. Die Aargauer Bahnpendlerin unterstützt den Vorschlag ihres Zürcher Nationalrates Bastien Girod, der eine Flexibilisierung der Bahntarife fordert. Kälin: «Das Bahnfahren muss weiterhin für alle bezahlbar bleiben. Darum braucht es neue GA-Modelle. Zum Beispiel ein günstigeres GA für Randzeiten-Benutzer, das nur ausserhalb der Stosszeiten gilt. Es braucht auch spezielle GA-Angebote für Studierende, Rentner und Menschen ohne Einkommen.»

Seit gestern zahlen Bahnfahrer auf alle Fälle im Durchschnitt schon mal 5,6 Prozent mehr als früher. Das GA 1. Klasse stieg von 5350 auf 5800 Franken.