Die Sanierung der Werkleitungen in der Schmiedengasse und der Untergasse in Biel hätten die einmalige Gelegenheit geboten, die archäologische Situation im Untergrund der mittelalterlichen Stadt zu erfassen, teilte der Kanton Bern am Freitag mit.

Dabei förderte der Archäologische Dienst einen Teil der Fundamente des Zeitglockenturms zutage. Dieser Turm erhob sich bis 1842 am Westeingang der Schmiedengasse. Ein wenige Meter südlich gefundener Eichenbalken deutet wegen seiner parallelen Ausrichtung darauf hin, dass sich hier einst ein Steg oder eine Holzbrücke befunden hatte.

Zeitglockenturm zuerst Stadttor

Aus welcher Zeit das in 2,2 Metern Tiefe gefundene Holz stammt, konnte jedoch nicht ermittelt werden. Der Zeitglockenturm diente wahrscheinlich Ende des 13. Jahrhunderts als Stadttor. Nach der Erweiterung der Stadt Mitte des 14. Jahrhunderts befand sich der Turm mitten in der Stadt, so dass er seine Verteidigungsfunktion einbüsste.

Im auch als "Chefiturm" bezeichneten Turm wurden Gefangene untergebracht. Eine erste Turmuhr bestand möglicherweise bereits 1465, mit Sicherheit aber seit 1603. Bei der Abtragung des Turms im Jahre 1842 wurde der obere Teil mit der Turmuhr und dem Glockenturm in den ehemaligen Pulverturm verlegt, der zum heutigen Zeitglockenturm der Stadt wurde.

Spuren bis ins 7. Jahrhundert

Auf der Nordseite der Stadt kamen bei den Bauarbeiten an der Untergasse Überreste des Torturms zum Vorschein, der die mittelalterliche Stadt gegen die in den Jura führende Strasse abriegelte. Das Untertor stammt laut den Archäologen aus der Zeit der ersten Erweiterung der Stadt in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts.

Die Ausgrabungen an der Schmieden- und der Untergasse liefern laut den Behörden wichtige Informationen zum archäologischen Potenzial verschiedener Teile der Altstadt. Dicke Aufschüttungen, die bis ins Frühmittelalter zurückreichen, wiesen darauf hin, dass der von der "römischen Quelle" und der Schüss bewässerte Hügel bereits seit etwa dem 7. Jahrhundert genutzt worden sei.

Hingegen konnte der frühere Verlauf der Stadtmauern nicht genau lokalisiert werden, er bleibt somit weitgehend unbekannt. Die Archäologen erhoffen sich neue Erkenntnisse von weiteren Bauarbeiten und künftigen baugeschichtlichen Analysen.